So wird der heimische Garten zum Bienenparadies!

Die Biene ist für die meisten Menschen seit ihrer Kindheit allgegenwärtig. Man trifft sie fast überall im Freien und auch im heimischen Garten an. Sie ist Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs geworden, egal ob es nun um die „Bienchen und Blümchen“ geht, ob jemand „fleißig wie eine Biene ist“ oder dass es irgendwo „zugeht wie im Bienenstock“. Es ist kein Wunder, dass die Biene so bekannt ist und so ein gutes Image hat: Sie ist so nützlich, wie kaum ein anderes Tier. Bienen produzieren nicht nur Honig. Die Honigbiene und ihre wilden Verwandten, die Wildbienen und Hummeln, sind auch unverzichtbar für die Blütenbestäubung. Dadurch sorgen sie nicht nur für biologische Vielfalt, sondern sind auch maßgeblich für gute Erträge in Obstbau und Landwirtschaft verantwortlich.

Leider haben es Bienen heute immer schwerer. Nicht nur Milben, Krankheiten und Pestizide machen ihnen zu schaffen und lassen die Zahl der Bienen sinken, es gibt in vielen Gärten auch immer weniger passende Futterangebote für die Honigbiene und die Wildbienen. Dabei lässt sich mit einfachen Mitteln ein bienenfreundlicher Garten gestalten. Mit praktischen Tipps und der Auswahl der richtigen Pflanzen finden Bienen das ganze Jahr über Nahrung und Wildbienen können in geeigneten Nisthilfen ihre Nester bauen.


Der Nutzen der Biene für die Natur

Durch das Bestäuben von Blüten tragen Bienen nicht nur zum Erhalt einer ökologischen Pflanzenvielfalt bei, sondern sorgen auch für den Schutz zahlreicher Tierarten, die sich von den Früchten der Pflanzen ernähren. Zudem sind Bienen für die Landwirtschaft unverzichtbar, steigern Ernteerträge und versorgen uns mit Honig. Für die Bestäubung einer Vielzahl von Wild- und Nutzpflanzen spielen nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen und andere Insekten eine wichtige Rolle.

Bestäubung von Blüten durch Bienen

Das Reich der Pflanzen lässt sich in zwei große Gruppen unterteilen: Zu den niederen, blütenlosen Pflanzen gehören zum Beispiel Moose, Algen und Farne. Alle höheren Pflanzen wie Blumen, Bäume und Sträucher gehören zu den Samenpflanzen (Spermatophyten). Sie müssen bestäubt werden, um sich vermehren zu können, das heißt um Samen bilden zu können. Der Großteil unser heimischen Pflanzen ist dabei auf die Arbeit von Insekten angewiesen.

Was ist Bestäubung?

Als Bestäubung bezeichnet man die Übertragung von Pollen (Blütenstaub) auf das weibliche Blütenorgan. Meist besitzen Blüten ein klebriges Fruchtblatt, auf dem der Pollen haften bleibt. Gelangt ein Pollenkorn dorthin, keimt es aus und bildet einen Pollenschlauch, der in das Fruchtblatt hinein wächst und bis zur Eizelle dringt. Dann findet die eigentliche Befruchtung statt.

Die Befruchtung führt zur Bildung von Samen, aus denen sich wieder eine neue Pflanze bilden kann. Diese können ganz unterschiedlich aussehen. Häufig bildet sich das Fruchtblatt zur Frucht um, in die die Samen eingebettet sind, und wird zum Beispiel zur Beere (Johannisbeere, aber auch Tomate und Gurke), Steinfrucht (wie die Kirsche oder Pflaume) oder Sammelfrucht (wie Erdbeeren oder Himbeeren).

Es gibt verschiedene Arten der Bestäubung, die sich im Laufe der Evolution entwickelt haben. Pollen können über den Wind zu anderen Blüten gelangen. Einige Blüten bestäuben sich auch selbst, ohne fremde Hilfe. Am häufigsten ist jedoch die Bestäubung durch Insekten. Um diese anzulocken, haben Pflanzen ausgeklügelte Mechanismen entwickelt: Sie bieten nahrhaften Nektar an, für den es sich lohnt, die Blüte zu besuchen. Farbige Blüten und süße Düfte (oder im Falle von Fliegenbestäubung auch Verwesungsgeruch) ziehen die jeweils passenden Insekten an, die zum Teil auf bestimmte Blütenarten spezialisiert sind.

Bienenbestäubung

Im Laufe der Zeit haben sich Blütenpflanzen und die bestäubenden Insekten perfekt aneinander angepasst. Bei der Insektenbestäubung spielen Bienen wie die Honigbiene und die verschiedenen Wildbienenarten eine wichtige Rolle. Bienen sind in ihrem ganzen Verhalten und Körperbau optimal auf die Blütenbestäubung ausgelegt. Dabei ist für die Biene selbst die Bestäubung nur ein zufälliger Nebeneffekt bei der Nahrungssuche, den sich die Pflanzen zunutze machen.

Bienen sammeln Nektar und Pollen, um sich und ihren Nachwuchs zu ernähren. Zum Einsammeln der Pollen, der sich beim Besuch der Blüten im Haarkleid einer Honigbiene verfangen haben, kämmt die Biene mit Pollenbürsten die Haare an ihren hinteren Beinen aus. Dabei wird der Pollen mit Speichel und Nektar vermengt, sodass er klebrig wird und die mit dem Auge deutlich sichtbaren, meist orange-gelben Pollenhöschen bildet (je nach Pollenart können sie manchmal auch bräunlich, rötlich oder bläulich aussehen).

Pflanze und Biene gehen hier eine Symbiose ein, von der beide Seiten profitieren. Die Biene erhält Nahrung und trägt dafür den Pollen von Blüte zu Blüte. Bei der Nahrungsaufnahme lösen sich immer wieder einzelne Pollenkörner und bestäuben die Blüten.

Honigbiene bei der Bestäubung

Honigbienen sind leistungsstarke Blütenbestäuber, denn …

  • … sie sind in ihrem Staat perfekt organisiert (spezielle Sammlerinnen sind für den Blütenbesuch zuständig).
  • … sie kommunizieren mit ihren Artgenossen und geben die Standorte blühender Pflanzen an die anderen Sammlerinnen weiter.
  • … sie besuchen eine Vielzahl verschiedener Blüten.
  • … sie sind fleißig „wie die Bienen“: Eine Biene fliegt pro Tag bis zu 30 Mal aus und kann pro Flug bis zu 300 Blüten besuchen.
  • … ihre große Anzahl führt zu einer hohen Bestäubungsleistung
  • … ein einziges Bienenvolk benötigt mindestens 25 kg Pollen im Jahr, das entspricht über einer Million Sammelflügen.

Auch Wildbienen spielen eine wichtige Rolle für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Der Ertrag vieler in der Landwirtschaft angebauter Pflanzen ist höher, wenn mehrere Bienenarten die Blüten aufsuchen (1).

Heimische Bienenarten

Als Wildbienen bezeichnet man alle Bienenarten außer der Honigbiene. Auch die Hummeln gehören zur Familie der echten Bienen (Apidae). Die verschiedenen Wildbienenarten sind für die Bestäubung unserer heimischen Pflanzen ebenfalls von großer Bedeutung. Sie haben sich zum Teil auf bestimmte Pflanzenfamilien, manchmal sogar nur auf einzelne Arten spezialisiert und sind deshalb besonders anfällig für Umweltveränderungen.

Bienenarten, die man im heimischen Garten antrifft:

Honigbienen: Honigbienen (Gattung Apis) sind die einzigen Bienen, die Nektar in großen Mengen sammeln und daraus Honig produzieren. Ein Bienenvolk kann bis zu 100.000 Bienen umfassen, typisch sind Größen von 20.000 bis 40.000. Hierzulande werden in der Imkerei fast ausschließlich bestimmte Unterarten der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) genutzt.

Honigbienen nutzen gerne sogenannte Massentrachten wie Raps, also in großer Menge vorkommende, nektarreiche Pflanzen, die alle gleichzeitig blühen. Diese Pflanzen fliegt die Honigbiene solange an, bis sie verblüht sind. Man sagt dazu, die Honigbiene ist blütenstet. So kommt es zu den unterschiedlichen Honigsorten.

Honigbiene (Apis mellifera)

Wildbienen: Insgesamt leben in Europa über 2000 Bienenarten. Etwa 600 davon kommen im deutschsprachigen Raum vor. 95 Prozent von ihnen leben solitär, das heißt als Einzelgänger. In einem Nest lebt nur ein einzelnes Weibchen, das je nach Art 4 bis 30 Brutzellen baut und die Larven mit Nahrung versorgt, bis sie sich zu Bienen weiterentwickelt haben.

Zu den Wildbienen gehören unter anderem die Mauerbienen (Gattung Osmia), die Sandbienen (Gattung Andrena), die Blattschneiderbienen (Gattung Megachile), die Seidenbienen (Gattung Collettes) und die Maskenbienen (Gattung Hylaeus). Einige Wildbienen bauen gar keine eigenen Nester, sondern legen ihre Eier in fremde Bienennester. Man nennt sie deshalb auch Kuckucksbienen (Gattung Nomada).

Wildbiene

Hummeln: Hummeln sind wie die Honigbiene staatenbildend, leben also in Völkern zusammen. Im Vergleich zur Honigbiene sind diese jedoch sehr viel kleiner und umfassen je nach Art nur zwischen 50 und 600 Hummeln. Als Bestäuber spielen sie eine wichtige Rolle, da sie tiefere Temperaturen tolerieren und bereits ausfliegen, wenn es für Bienen noch zu kalt ist.

Von unseren 30 bekannten einheimischen Hummelarten tritt man nur sechs Arten im Garten an. Ist das Hinterteil hell, handelt es sich um die Erd-, Garten- oder Baumhummel. Die Erdhummel hat zwei gelbe Streifen, die Gartenhummel drei. Ein rotbraunes Hinterteil hat die Stein- und die Wiesenhummel während die Ackerhummel dunkelbraun gefärbt ist.

Hummel (Bombus)

Ökologischer Nutzen von Bienen

Die Bienen haben als Blütenbestäuber eine wichtige Funktion bei der Erhaltung der ökologischen Vielfalt. Sie sorgen dafür, dass Pflanzen sich vermehren und verbreiten können. Zusätzlich bestimmen Bienen aber auch über das Schicksal vieler Tiere. Sie sorgen durch die Bestäubung dafür, dass immer neue Pflanzen entstehen, die Tieren als Nahrung dienen können. Die Bestäubung durch die Biene führt dazu, dass sich Samen oder Früchte ausbilden. Diese dienen ebenfalls einer Vielzahl von Tieren als Nahrung. Ohne die Biene wäre unser empfindliches Ökosystem deshalb massiv beeinträchtigt.

Viele Pflanzen können sich auch ungeschlechtlich oder vegetativ vermehren, zum Beispiel über Ausläufer oder Sprossung. Allerdings sind die entstehenden Pflanzen genetisch identisch mit der Mutterpflanze. Wenn sich weibliches und männliches Erbgut bei der geschlechtlichen Vermehrung mischen, entstehen hingegen neue und einzigartige Tochterpflanzen. Das ist für den Fortbestand der Art, die Besiedelung neuer ökologischer Nischen und Anpassung an veränderte Umweltbedingungen unverzichtbar. Darum ist ein Schutz der Bienen nicht nur allein für die verschiedenen Bienenarten, sondern für unsere gesamte Umwelt wichtig.

Wirtschaftlicher Nutzen von Bienen

Ohne Bienen wären Obstbau und moderne Landwirtschaft nicht möglich. 87,5 Prozent aller Blütenpflanzen, inklusive unserer Nutzpflanzen, werden durch Insekten bestäubt (2), der überwiegende Teil davon durch Bienen. Weltweit wurde der ökonomische Nutzen der Biene früher auf einen Wert von 150 Milliarden geschätzt. In der jüngsten Schätzung wurde die Zahl jedoch deutlich nach oben korrigiert. Einer Studie aus dem Jahr 2012 zufolge liegt der geschätzte wirtschaftliche Nutzen der Bienen bei 265 Milliarden Euro pro Jahr (3).

Das kommt nicht nur durch Pflanzen zustande, die direkt von der Bienenbestäubung abhängen: Bei vielen Nutzpflanzen verbessert die Bienenbestäubung die Qualität von Früchten und Samen und erhöht den Ertrag. Das Umweltbundesamt stuft die Biene deshalb als das drittwichtigste Nutztier in Deutschland ein, direkt nach Rind und Schwein.

Ohne Bienen würden die Pflanzen deutlich weniger Nahrungsmittel liefern (4). Die Produktion von Obst, Gemüse und auch von Futterpflanzen für Nutztiere wäre stark beeinträchtigt (5). Deshalb werden Bienen heute gezielt zu Massentrachten wie Rapsfeldern oder Obstplantagen gebracht. Auch die Honigproduktion ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Immerhin konsumiert jeder Deutsche pro Jahr etwa ein Kilogramm Honig. Insgesamt werden in Deutschland fast 80.000 Tonnen Honig im Jahr konsumiert.

Die Bienenbestäubung …

  • ist für viele Kulturpflanzen unverzichtbar für die Fruchtbildung
  • erhöht den Ertrag (mehr Früchte, größere Früchte)
  • verbessert die Fruchtqualität
  • gewährleistet die Samengewinnung bei vielen Nutzpflanzen

Der Ertrag und die Fruchtqualität erhöht sich durch Bienenbestäubung:

  • Der Ertrag steigt bei fast allen Früchten, zum Beispiel bei Erdbeeren um 50 Prozent, bei Pflaumen um 75 Prozent und bei Äpfeln um bis zu 86 Prozent (6)
  • Durch Bienen bestäubte Erdbeeren sind größer und erreichen eine bessere Handelsklasse
  • Äpfel sind größer und gleichmäßiger geformt
  • Steinfrüchte und Beeren haben einen höheren Fruchtzuckeranteil

Quellen:

Warum sind Bienen gefährdet?

"Stirbt die Biene, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.", soll Albert Einstein gesagt haben. Forscht man etwas nach, findet man heraus, dass das Zitat vielleicht gar nicht wirklich auf ihn zurückgeht und ihm nur nachträglich in den Mund gelegt wurde. Weniger wahr ist es dennoch nicht: Bisher ist nicht absehbar, was für Folgen die Dezimierung der Bienenzahl für die Welternährung, für unsere Wirtschaft, für die Artenvielfalt und das biologische Gleichgewicht hat.

Zahlen und Fakten

In den letzten gut zehn Jahren waren das Bienensterben oder der sogenannte „Völkerkollaps“ (Colony Collapse Disorder, CCD) Gegenstand großer Besorgnis. Seit 2006 wurde über den Tod ganzer Bienenvölker in den USA berichtet, bei denen aus unerklärlichen Gründen die Arbeitsbienen verschwinden. Heute werden aufgrund des Bienensterbens in Nordamerika weniger Bienen gehalten, als in den gesamten letzten 50 Jahren (1). Und das, obwohl der Bedarf für Bestäuber eigentlich immer weiter zunimmt.

Das Bienensterben betrifft auch Europa. Zum Beispiel starben 2008 in Baden-Württemberg zehntausende Bienenvölker. Doch nicht nur die Honigbiene ist betroffen. Auch Wildbienen werden immer seltener. Viele Arten sind bereits vom Aussterben bedroht, was bei der Wildbiene häufig auch mit der Zerstörung ihrer Lebensräume und damit ihrer Nistplätze zusammenhängt. Die Ursachen für Bienensterben bei der Honigbiene sind bis heute nicht eindeutig klar. Sicher ist, dass wohl mehrere Faktoren zusammenspielen (2).

Forscher gehen davon aus, dass Bienen hauptsächlich durch drei Faktoren gefährdet sind:

  • Pestizide vergiften und schwächen die Bienen
  • Parasiten und Krankheiten töten Bienen oder machen sie anfälliger für andere Faktoren
  • Das Nahrungsangebot nimmt ab

Vergiftung der Bienen durch Pflanzenschutzmittel

Zu den Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) gehören zum Beispiel Mittel, die Schadinsekten abtöten (Insektizide) oder Unkraut bekämpfen (Herbizide). Viele Chemikalien wurden über lange Jahre verwendet oder sind zum Teil sogar heute noch in Gebrauch, obwohl sie nachweislich Bestäuber schädigen. Oft töten die Pflanzenschutzmittel Bienen nicht ab, sondern wirken in kleinen Dosen subtil auf die Insekten ein, sodass die Auswirkungen manchmal leider erst nach langjähriger Forschung erkannt werden.

Mögliche Auswirkungen von Pestiziden auf Bienen (3):

  • Bienen legen Eier, aus denen Larven schlüpfen. Diese häuten sich mehrmals und entwickeln sich über verschiedene Zwischenstadien zu Bienen. Pestizide können diese Entwicklung verzögern oder Missbildungen verursachen.
  • Chemikalien können das Sammelmuster stören. Das heißt, die Bienen haben Probleme zu navigieren.
  • Bestimmte Pflanzenschutzmittel verändern die Anziehung der Blüten auf die Bienen, indem sie abschreckend auf Bienen wirken oder den Geruchssinn der Biene beeinflussen. Die behandelten Pflanzen werden dadurch weniger oft angeflogen.
  • Neurotoxische Substanzen stören den Lernprozess der Bienen. Die Bienen haben Probleme, bereits aufgesuchte Futterstellen wiederzufinden oder zurück zum Nest zu finden.

Greenpeace warnt davor, dass aktuell noch sieben Pflanzenschutzmittel in Europa großflächig in Gebrauch sind, die Bienen und andere Bestäuber nachweislich schädigen (3): Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin, Fipronil, Chlorpyrifos, Cypermethrin und Deltamethrin.

Ein wissenschaftlicher Beirat der EU (EASAC), der aus zahlreichen europäischen Experten und Forschungsinstituten besteht, beziffert den durch Pestizide entstehenden Schaden höher als die Gewinne (4). Sie empfahlen in einem Bericht den Einsatz strittiger Stoffe zu verbieten, wenn die Gefahr einer Schädigung des Ökosystems besteht. Industrie und Verbände der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln fechten solche Ergebnisse regelmäßig an. Letztendlich entscheiden EU-Kommissionen über ein Verbot – oft viel zu spät, kritisieren Imker und Umweltschützer.

Parasiten und Krankheiten: Varroamilbe und Co.

Es gibt einige Krankheiten, meist durch Viren bedingt, die Bienen befallen können. Auch Parasiten können Bienen schwächen und gefährden. Das größte Problem stellt hier die Varroamilbe (Varroa destructor) dar. Sie verbreitete sich von Asien ausgehend um die ganze Welt und befällt die Brut des Bienenvolkes. Dadurch werden die Bienen nicht nur geschwächt, die Milben übertragen zudem auch Krankheiten und verunreinigen die Bienenstöcke mit Bakterien. Werden keine Maßnahmen gegen den Schädling ergriffen, stirbt das befallene Bienenvolk meist innerhalb von drei Jahren (1).

Während hierzulande oft noch die klassische Imkerei betrieben wird, gibt es in den USA sehr häufig eine intensive Massenbienenhaltung. Tausende von Bienenvölkern werden von einer Monokultur zur anderen transportiert, wo sie die Bestäubung übernehmen und anschließend zum nächsten Einsatzort zu fahren. Da diese Art der Imkerei die Tiere stresst und anfälliger macht, werden sie häufig mit Antibiotika behandelt. Eine solche Bienenhaltung kann dazu beitragen, dass Krankheiten und Parasiten sich schneller verbreiten.

Hungrige Bienen: Zunehmender Nahrungsmangel

Bienen brauchen Nahrung, die sich zur richtigen Zeit in erreichbarer Nähe befinden muss. Das wird jedoch heutzutage immer schwerer. Es gibt viele Faktoren, die es für Bienen immer schwieriger machen, ihren Nachwuchs in ausreichender Menge zu ernähren. Imker füttern zwar Zusatznahrung, doch die natürliche Ernährung mit verschiedenen Blütenarten ist wichtig, damit das Immunsystem der Biene unterstützt wird und sie weniger anfällig für Parasiten und Krankheiten ist. Wildbienen sind oft von bestimmten Pflanzenarten oder Pflanzenfamilien abhängig und leiden besonders stark unter der abnehmenden Artenvielfalt.

Faktoren, die das Nahrungsangebot für Bienen einschränken:

  • Industrielle Landwirtschaft und Monokulturen: Die Entfernung von Hecken und ungemähten Feldrändern verringert die Pflanzenvielfalt. Wird auf großen Flächen nur eine einzige Nutzpflanze angebaut (Monokultur), stehen in einem weiten Umkreis nur während der Blütezeit dieser Pflanze ausreichend geöffnete Blüten zur Verfügung.
  • Aussterben von Pflanzen: Die Artenvielfalt der Wildpflanzen nimmt immer mehr ab. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass weitere 20.000 Arten in den nächsten Jahrzehnten aussterben werden, wenn keine umfassenden Schutzmaßnahmen beschlossen werden.
  • Klimawandel: Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass Niederschlagsmengen und Blühzeiten sich verändern. Zum Teil fällt schon heute der Start der Blühphase bestimmter Frühblüher nicht mehr mit dem Erwachen der Bienen im Frühjahr zusammen (5).
  • Einsatz von Herbiziden: Unkrautvernichter verringern die Artenvielfalt an Feldrändern und in landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Pflanzen fallen weg, die früher den Honig- und Wildbienen Futter lieferten.
  • Gartengestaltung: In heimischen Gärten achten viele Menschen bei der Gestaltung und Bepflanzung nicht darauf, dass Bienen dort Nahrung und Nistmöglichkeiten finden. Dabei ist es nicht schwer, einen bienenfreundlichen Garten zu schaffen (Tipps hierzu siehe Kapitel 3 und 4).

Quellen:

Bienenfreundliche Gartengestaltung und -pflege

Um Bienen zu schützen, sind vielfältige Schutzmaßnahmen nötig. Für die Honigbiene und die Wildbienenarten, die hierzulande die Gärten besuchen, kann aber jeder Einzelne ganz einfach bessere Lebensbedingungen schaffen. Denn mit der richtigen Gartengestaltung lassen sich ganz einfach Nistmöglichkeiten für Wildbienen und ein vielfältiges Nahrungsangebot für Honigbienen, Wildbienen und andere blütenbestäubende Insekten anbieten.

Es hat durchaus großen Einfluss, wenn möglichst viele Gartenbesitzer etwas mehr auf einen bienenfreundlichen Garten achten. Denn immerhin übertrifft die Gesamtfläche aller privaten Gärten die Fläche aller Naturschutzgebiete in Deutschland um etwas das Vierfache.

Wichtig ist besonders, dass von Beginn des Frühjahrs bis in den Herbst hinein ein kontinuierliches Blütenangebot für ausreichend Bienennahrung sorgt. Davon profitiert nicht nur die Biene, auch der Gartenbesitzer hat Vorteile: Die Blütenpracht das ganze Jahr über ist nicht nur nützlich, sondern auch wunderschön. Werden mehr Bienen angelockt, dann fällt auch die Fruchternte reichhaltiger aus.

Tipps zur Gartengestaltung und -pflege

Ein Garten wird nicht nur durch die richtigen nektarreichen Blüten bienenfreundlich. Auch die Gestaltung des Gartens macht einen großen Unterschied.

  • Wildwiese oder ungemähte Flächen: Ein kurz gemähter Rasen stellt für Bienen quasi eine Wüste dar. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man auf größeren Rasenflächen bienenfreundliche Bereiche schaffen kann. Es reicht aus, eine Ecke einfach nicht mehr bzw. nur zweimal im Jahr zu mähen (am besten mit der Sense). In der restlichen Zeit können hier „Unkraut“ und Wildblumen zur Blüte kommen und den Bienen Nahrung liefern.
  • Wildblumen ansäen: Statt ein Rasenstück einfach nicht mehr zu mähen und abzuwarten, was sich ansiedelt, kann man auch mit gekauften Wildblumen-Mischungen nachhelfen. Sie eignen sich für Wilbblumenwiesen oder auch ein Wildblumenbeet. Die meisten davon gedeihen am besten auf nährstoffarmem Boden. Das kann erreicht werden, indem die oberste Humusschicht abgetragen und der Boden dann mit Sand durchmischt wird.
  • „Wilde Ecken“ und Unebenheiten zulassen: Nicht nur Wildwiesen locken Bienen an, auch ungepflegte Winkel und Ecken können zu richtigen kleinen Biotopen werden. Offener Boden, lehmverfugte Mauern, Büsche, Totholz und Laub bieten Unterschlupf für zahlreiche Insekten und Nistmöglichkeiten für Wildbienen. Bruchsteine, Hügel und Senken im Garten schaffen ein natürliches Bodenrelief.
  • Trinkgelegenheiten für Bienen: Auch Insekten müssen trinken. Als Trinkstellen für Bienen eignen sich Kuhlen in großen Steinen oder Vogeltränken, in die man ein paar große Steine legt und wo man an sonnigen Tagen täglich Wasser auffüllt. Der beste Standort dafür ist in der Nähe blühender Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon. Natürlich bieten auch Gartenteiche Wasserquellen für viele Tiere und Insekten, einschließlich der Bienen. Übrigens benötigen viele Wildbienen das Wasser oft nicht nur zum trinken, sondern vor allem für den Bau ihrer Nester (zum „mörteln“ ihrer Brutzellen).
  • Mähen und Beschneiden: Je seltener gemäht wird, umso mehr Blumen kommen zur Blüte. Gemäht werden sollte außerdem am besten dann, wenn die Bienen gerade nicht fliegen. Das heißt entweder morgens und abends oder bei trübem Wetter. Büsche und Hecken bilden mehr Blüten und bieten mehr Tieren Unterschlupf, wenn sie nicht zu oft und schmal geschnitten werden. Auch wenn es nichts mit Bienen zu tun hat: Aus Rücksicht auf Vögel sollten dichte Büsche und Hecken niemals in der Brutzeit unserer heimischen Vögel geschnitten werden.
  • Beetumrandungen: Wer sein Beet abgrenzen möchte, nutzt manchmal kleine Wege, niedrige Zäune oder kleine Hecken (zum Beispiel Buchsbaum). Stattdessen lassen sich auch mehrjährige Blühpflanzen nutzen, die Nektar für Beinen bereitstellen. Der positive Nebeneffekt: Sie locken Bestäuber ins Beet, was Früchten und Gemüse zugute kommt.
  • Pestizide sollten tabu sein: In einem bienenfreundlichen Garten sollten keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Es gibt fast immer gute, natürliche Alternativen. Gegen Schädlinge hat sich der Einsatz von Nützlingen bewährt, die man heute ganz einfach und kostengünstig online bestellen kann. Wenn es in einem absoluten Notfall nicht anders geht: Es sollten auf keinen Fall bienengefährliche Mittel eingesetzt werden. Im Zweifelsfall ist das Entfernen oder Herunterschneiden einer erkrankten oder mit Schädlingen befallenen Pflanze die bessere Alternative in einem bienenfreundlichen Garten.

Tipps zu Pflanzenauswahl und -pflege

Wer sich vorher überlegt, was er im Garten pflanzt, der kann ganz bewusst Bienen anlocken und sie über das Jahr hinweg mit Nahrung versorgen. Bei der Planung einer neuen Bepflanzung und beim Kauf von Gartenpflanzen lässt sich mit einigen einfachen Tipps ein Bienengarten gestalten, der nebenbei euch noch wunderschön aussieht und das ganze Jahr über blüht.

Blüten das ganze Jahr über: In einem Bienengarten sollten von März bis Oktober Blüten zu finden sein. Das lässt sich mit einer Mischung aus Frühblühern mit Sommerblumen und Spätblühern erreichen. Wichtig ist hier die Vielfalt. Dabei geht es nicht nur um Blumen und Stauden, auch viele Büsche und Bäume liefern Bienen Nahrung. Im folgenden Kapitel sind konkrete Tipps zu geeigneten Pflanzenarten zu finden.

Einheimische und an den Standort angepasste Pflanzen bevorzugen: Ein ökologisch angelegter Garten sollte die heimische Natur nachbilden. Deshalb sollte einheimischen Pflanzenarten der Vorzug gegenüber exotischen Gewächsen gegeben werden, auch wenn viele Exoten ebenso Nahrung für Bienen bieten. Geschickt ausgewählt bieten einheimische Stauden, Blumen und Sträucher in jeder Jahreszeit nicht nur Pollen und Nektar für Bienen, sondern auch Nistplätze und Verstecke für zahlreiche Tierarten sowie Beeren und Früchte für den Gartenbesitzer.

Auf nektarreiche Blüten achten: Farbenprächtige Züchtungen und Hybriden vieler Pflanzen sehen spektakulär aus, bieten aber in vielen Fällen viel weniger Nektar als ihre ursprüngliche Ausgangsform. Die Wildform ist deshalb für Bienen fast immer die bessere Wahl.

Gefüllte Blüten meiden: Es gibt von vielen Pflanzen eine ganze Reihe von Züchtungen mit üppigen Blüten in allen Farben. Sind die Blüten gefüllt, dann sehen diese zwar optisch oft sehr außergewöhnlich aus, sind für Bienen aber ungeeignet. Die Staubblätter sind oft zu Schaublättern umgebildet oder sie sind für Insekten nicht zugänglich. Auch Nektar produzieren diese Blüten in der Regel nicht. Sie sind also für die Biene völlig nutzlos. Zu den Pflanzenarten, bei denen man gefüllte Blüten findet, gehören unter anderem die Rosen, Pfingstrosen, Chrysanthemen und Dahlien.

Beim Kauf von Pflanzen nicht nur nach Aussehen und Preis gehen: Fast jeder Gartenbesitzer kennt es: Im Bau- oder Gartenmarkt steht eine Pflanze, die man gar nicht richtig kennt. Sie sieht aber ansprechend aus, passt laut der dort angegeben, kurzen Beschreibung ideal zum gewünschten Standort und ist außerdem gerade im Angebot. Soll der Garten jedoch bienenfreundlich sein, sollte man sich jedoch besser vorher überlegen, welche Pflanzen passen, und dann gezielt einkaufen. Auch eine Beratung und Kauf beim Fachmann lohnen sich, vor allem wenn man Pflanzen optimal kombinieren möchte.

Pflanzerde ohne Torf: Torfhaltige Blumenerde sollte nicht verwendet werden. Der Torfabbau ist ökologisch bedenklich. Dabei werden Biotope zerstört, unter anderem auch Lebensräume vieler Wildbienenarten.

Nisthilfen für Wildbienen

Schon Kinder lernen, wie man ein „Bienenhotel“, „Insektenhotel“ und Nisthilfen für Wildbienen baut. Bauanleitungen dafür findet man zuhauf in Zeitschriften, online oder in Bastelbüchern. Naturschutzorganisationen sind jedoch zögerlich bei der Empfehlung von Nisthilfen, denn der Nutzen ist nicht immer so hoch, wie sich Gartenbesitzer das oft erwarten. Der Grund: Viele Wildbienen nisten gar nicht in Löchern, sondern in lehmigen oder sandigen Böden. Nur wenige Arten können angebotene Nisthilfen überhaupt nutzen. Diese gehören in der Regel sowieso zu den eher häufigen Arten, deren Bestand nicht gefährdet ist. Kommerziell erhältliche Nisthilfen sind zudem oft aus ungeeigneten Materialien und bieten gar nicht die optimale Struktur, damit Wildbienen sich dort ansiedeln oder damit die Brut sich darin gut entwickeln kann.

Tipps zu Nisthilfen:

  • Nisthilfen besser selber machen statt kaufen. Entscheidet man sich für eine Variante mit Bohrlöchern, dann sollte man dafür abgestorbene Äste oder Baumstämme (Hartholz) verwenden, auf keinen Fall darf es sich um Weichholz handeln.
  • Offene, sandige Bodenstellen bieten gute Nistmöglichkeiten für viele Wildbienen. Alternativ eignen sich Kisten, die mit Lehm oder Löß (ohne Stroh) befüllt werden.
  • Einfache Nisthilfen lassen sich aus hohlen Pflanzenstängeln bauen (zum Beispiel aus Bambus, Knöterich, Schilf), die man zu einem Bündel zusammenschnürt. Die Stängel müssen an einer Seite geschlossen sein, deshalb immer kurz hinter den verdickten Knoten abtrennen. Der Durchmesser sollte zwei bis zehn Millimeter, die Länge acht bis zwanzig Zentimeter betragen.
  • Nisthilfen immer fest und sicher aufhängen (nicht baumelnd im Wind).
  • Einige Wildbienen graben sich auch in markhaltige Stängel. Hierfür eignen sich Holunder, Himbeerzweige oder Distel. Diese kann man einfach senkrecht in die Erde stecken, zum Beispiel zwischen Blühpflanzen.
  • Die einfachste Variante sind Stapel aus morschen Baumstämmen und Ästen, die sowohl von Bienen als auch von einer ganzen Reihe anderer Nützlinge dankbar bevölkert werden.

Checkliste: Dos und Don'ts im bienenfreundlichen Garten

Checkliste für die Planung eines bienenfreundlichen Gartens:

  • Eine Mischung aus Früh-, Mittel- und Spätblühern anpflanzen
  • Wiese statt Rasen (eventuell Wildblumen ansäen)
  • Bereiche im Garten verwildern lassen
  • Möglichst selten mähen und schneiden
  • Einheimische Pflanzen bevorzugen
  • Hügel, Senken, Totholz, Sand, Kies und Bruchsteine schaffen Kleinstbiotope
  • Bei Neuanpflanzungen immer bienenfreundliche Alternativen recherchieren
  • Nisthilfen: Besser selber bauen als kaufen
  • Sandige Bodenstellen und offener Boden bietet Nistplätze für Wildbienen
  • Trinkstellen für Insekten schaffen

„Gartensünden“ im bienenfreundlichen Garten

  • Pestizide: Sie können Bienen und viele Nützlinge schädigen
  • Torfhaltige Pflanzerde: Torfabbau schädigt den Lebensraum von Wildbienen
  • Nektararme, farbenprächtige Hybriden: Besser sind nektarreiche Blütenpflanzen
  • Gefüllte Blüten: Bieten keinen Nektar und sind für Bienen nicht zugänglich
  • „Golfrasen“: Für Bienen ist ein kurz gehaltener Rasen quasi eine Wüste
  • Hecken wie Thuja: Besser sind Naturhecken mit blühenden Sträuchern


Bienenweide im Garten schaffen

Wer seinen Garten zu einem Bienengarten machen möchte, in dem es von Frühjahr bis Herbst summt und brummt, muss sich vor allem über die Pflanzenauswahl Gedanken machen. Nicht jede Blüte, die bunt ist und duftet, ist auch für Bienen interessant. Zudem gibt es einige echte Geheimtipps, die zum Beispiel ganz bestimmte Arten selten gewordener Wildbienen anlocken können.

Dabei muss übrigens nicht der ganze Garten für Bienen optimiert sein. Oft reicht es, einige wenige Büsche oder Stauden neu anzupflanzen, die bestimmte Blütezeiten abdecken. So finden Bienen das ganze Jahr über Nahrung, vor allem auch im Spätsommer, wenn andere Nahrungsquellen rar werden. Darum sind in den folgenden Tipps auch die Blühzeiten einiger Pflanzen mit angegeben.

Die richtige Auswahl der Pflanzen zieht nicht nur Bienen an, sie unterstützt auch Obst- und Gemüsepflanzen im Garten. Die Bestäubung durch verschiedene Bienenarten regt sie zur Bildung von mehr und größeren Früchten an.

Bevor man bestehende Pflanzen zugunsten nektarreicherer Alternativen entfernt, sollte man aber beachten, dass in einem Naturgarten auch noch andere Tiere leben als die Bienen. Pflanzen, die Bienen keine Nahrung bieten, können für andere Insekten, Raupen selten gewordener Nachtfalter und Schmetterlinge oder für Vögel dafür sehr wertvoll sein.

Hecken und Sträucher als Bienenweiden

Viele Gärten sind hierzulande teilweise oder ganz von Hecken umgeben. Diese bestehen aus einer größeren Anzahl von einzelnen Büschen und eignen sich somit ideal, um reichlich Nahrung für Bienen zu liefern – wenn die richtige Art ausgewählt wird. Zu bevorzugen sind aus ökologischer Sicht einheimische Heckenpflanzen und Naturhecken mit verschiedenen Sträuchern, die auch Nahrung, Verstecke oder Nistplätze für viele andere Insekten und Vögel bieten.

Bei Hecken bitte immer den Platzbedarf der Büsche und Sträucher berücksichtigen. Die meisten eignen sich nicht für sehr kleine Gärten, da sie stärker in die Breite wachsen. Hainbuche, Liguster oder Weißdorn lassen sich zwar zu einer schmalen Form stutzen, bilden dann aber kaum Blüten. Bei Platzmangel ist es besser, lieber nur an einigen ausgewählten Stellen einzelne Büsche frei wuchern, blühen und Früchte tragen zu lassen.

Diese Sträucher sind gute Bienenweiden:

  • Kornelkirsche: Die Kornelkirsche (Cornus mas) blüht früh, in wärmeren Regionen manchmal schon Ende Februar. Die Früchte sind essbar. Die rote Herbstfärbung der Blätter macht die Pflanze zum tollen Blickfang. Sie kann im Alter jedoch Größen von mehreren Metern erreichen und ist für schmale Hecken und kleine Gärten weniger geeignet.
  • Weißdorn: Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata) bieten nicht nur von Mai bis Juni nektarreiche Blüten, die Blätter sind auch ein beliebtes Futter für zahlreiche Schmetterlingsraupen. Die Früchte sind essbar und dienen im Winter 32 verschiedenen Vogelarten als Futter (1).
  • Wildrosen: Als Heckenrosen eignen sich verschiedene Arten der Gattung Rosa mit ungefüllten Blüten. Sie werden ein bis drei Meter hoch und blühen meist von Mai bis Juli. Ihre vitaminreichen Früchte, die Hagebutten, dienen Vögeln als Winterfutter oder können zu Tee oder Marmelade verarbeitet werden.

Weitere geeignete Sträucher:

Berberitze (Berberis vulgaris), Brombeere (Rubus fruticosus), Faulbaum (Rhamnus frangula – Spätblüher!), Kreuzdorn (Rhamnus catharticus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Schwarze und Rote Johannisbeere (Ribes nigrum, Ribes rubrum), Gemeiner Schneeball oder Wolliger Schneeball (Viburnum opulus, Viburnum lantana – auf ungefüllte Blüten achten!), Liguster (Ligustrum vulgare), Salweide (Salix caprea), Wildapfel und Wildbirne (Malus silvestris, Pyrus pyraster).

Bienenfreundlicher Gemüse- und Kräutergarten

Beim Gemüse lohnt es sich doppelt, an die Biene zu denken. Denn die Auswahl der richtigen Pflanzen in und um die Gemüse- oder Kräuterbeete hilft nicht nur den Bienen, sondern kann auch den Ertrag und die Qualität der Ernte steigern.

Es gibt allerdings viele Kräuter und Gemüsesorten, die vor der Blüte geerntet werden und die man normalerweise nicht blühen lässt. Mit den folgenden Tipps kann man aber ganz einfach auch im Gemüsegarten ein dauerhaftes Nahrungsangebot für Bienen schaffen.

Blühende Gemüsesorten für den Bienengarten:

  • Kürbisgewächse und Zucchini: Die großen Blüten von Zucchini und Kürbis werden nicht nur von Honigbienen, sondern besonders gerne auch von Wildbienen besucht.
  • Ackerbohne und Feuerbohne: Bohnen blühen sehr früh. Im bienenfreundlich angelegten Garten mit vielen Blühpflanzen kann man besonders viele Bohnen ernten, da der Ertrag sich durch Bienenbestäubung stark steigert.
  • Geheim-Tipp Zwiebel und Lauch: Zwiebel- und Lauchblüten sehen nicht nur hübsch aus, sondern sind auch bei Honigbienen und Wildbienen beliebt.

Weitere Gemüsesorten, die sich als Bienenweide eignen: Spargel, Zuckermais, Artischocke (ist zweijährig und wächst erst im zweiten Jahr auf bis zu zwei Meter Höhe), Brokkoli, Chicorée

Das sollte man beachten: Pflanzen, die man normalerweise vor der Blüte erntet, einfach nur zu einem Teil abernten. Die restlichen bleiben im Beet und dürfen in Ruhe blühen und Bienen anlocken.

So entsteht ein bienenfreundliches Kräuterbeet:

  • Mediterrane Kräuter: Thymian, Oregano, Rosmarin oder Salbei werden von Bienen dankend angenommen und gedeihen besonders gut an trockenen und sonnigen Standorten.
  • Bienenmagnete Doldenblütler: Dill, Petersilie, Liebstöckel und Koriander blühen in gelben oder weißen Dolden und werden gerne von Bienen besucht, wenn man sie blühen lässt.
  • Geheim-Tipp Borretsch: Borretsch (oder Gurkenkraut) wird heute nur noch selten angepflanzt. Dabei ist das einjährige Kraut bei Bienen sehr beliebt. Es eignet sich für Salate, als Gemüse und ist Bestandteil der Grünen Soße in der hessischen Regionalküche. Täglich sollte man Borretsch aber wegen des Gehalts an Alkaloiden nicht essen.
  • Bärlauch: Der Bärlauch blüht früh und gedeiht nicht nur in Wäldern, sondern auch an schattigen Standorten im heimischen Garten (zum Beispiel unter Büschen oder Bäumen).

Weitere Kräuter, deren Blüten bei Bienen beliebt sind: Zitronenmelisse, Pfefferminze, Gewürzfenchel, Schnittlauch, Löwenzahn (eignet sich gut für Salat!), Bohnenkraut, Lavendel, Kümmel, Kapuzinerkresse, Ringelblume

Das sollte man beachten: Die meisten Kräuter sollte man zum Verzehr vor der Blüte ernten. Deshalb am besten gleich mehr anpflanzen, sodass man einen Teil vor der Blüte ernten und den Rest zur Blüte kommen lassen kann.

Artenvielfalt in und um Gemüsebeete schaffen:

  • Beetumrandungen: Statt Mäuerchen, Zäunen oder blütenlosen Beeteinfassungen (zum Beispiel stark zurückgeschnittener Buchsbaum) eignen sich auch Thymian oder Lavendel. Beide sind mehrjährig und lassen sich gut zurückschneiden. Auch einjährige Blumen wie die Kapuzinerkresse und niedrigbleibende Sorten der Feuerbohne geben schöne und nektarreiche Beetumrandungen ab.
  • Gründüngung: Für freie Beete ist die Gründungung ideal. Damit lässt sich nicht nur der Boden verbessern. Wählt man gute Bienenweiden aus, profitieren auch die Bestäuber davon. Die Pflanzen einfach wachsen lassen und später mulchen. Es eignen sich zum Beispiel Senf, Tagetes, Inkarnatklee oder ganz besonders Phacelia, die auch Bienenweide oder Bienenfreund genannt wird.
  • Gemüse mit Blumen kombinieren: Um Lücken im Beet zu füllen, eignen sich einjährige Blumenmischungen, zum Beispiel mit Tagetes, Kornblume oder Klatschmohn, oder Sommerblumen wie Ringelblume, Sonnenblumen oder Zinnien.

Zierblumen und Stauden

Blumen und Stauden sorgen für bunte Farbenvielfalt im Garten. Ein durchgängiges Blütenangebot kann man schaffen, indem man eine Mischung aus früh-, mittel- und spätblühenden Arten anpflanzt. Auch hier ist wie immer wichtig: Keine gefüllten Blüten. Für den Naturgarten eignen sich am besten heimische Pflanzen, die gut an die jeweiligen Boden- und Lichtverhältnisse angepasst sind, damit sie robust und widerstandsfähig sind, weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge sind und reichlich Nektar für Bienen und andere Bestäuber liefern.

Die Unterteilung in Früh-, Mittel- und Spätblüher ist nicht immer ganz exakt möglich. Der Blütezeitpunkt hängt von der jeweiligen Art und oft auch vom Aussaatzeitpunkt und Standort ab. Die folgende Aufzählung kann aber als Anhaltspunkt dienen.

Beispiele für bienenfreundliche Frühblüher (Blüten ab Januar und im zeitigen Frühjahr):

Buschwindröschen, Lerchensporn, Leberblümchen, Wildtulpen, Lungenkraut, Blaukissen, Traubenhyazinthe.

Als Unterpflanzung für Bäume und Büsche eignen sich Krokus, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Winterling oder Blaustern.

Beispiele für bienenfreundliche Mittelblüher (Blüten im Frühjahr und Sommer):

Garten-Resede, Malve, Kornblume, Sommerazalee, Cosmea (Schmuckkörbchen), Katzenminze, Phacelia (sehr nektarreich), Fetthenne (Sedum, Mauerpfeffer), Beinwell, Kugeldistel, Edeldistel, Roter Sonnehut (Echinacea), Färber-Kamille, Goldgarbe (Gelbe Schafgarbe), Mutterkraut, Sandglöckchen.

Besonders interessant für Hummeln und Wildbienen sind Wildstauden oder einheimische Pflanzen wie Natternkopf, Akelei, Rittersporn oder Schafgarbe.

Beispiele für bienenfreundliche Spätblüher (Blüten bis Oktober oder länger):

Goldrute, Herbstanemone, Sonnenblume, Dahlien (auf ungefüllte Blüten achten!), Tagetes, Herbst-Astern, Ringelblume, Gelber Sonnehut (Rudbeckia), Taubnesseln, Margerite, Römische Kamille.

Auch Efeu blüht spät und bereichert das Nektarangebot im Herbst, er blüht jedoch erst ab einem Alter von acht Jahren.

Bäume

Für Stadtbienen sind Bäume eine wichtige Ergänzung ihres Futterangebotes, da sie große Mengen an Blüten bereitstellen. Bei der Auswahl neuer Gartenbäume sollte deshalb neben der Endgröße und den Ansprüchen an den Standort auch mit bedacht werden, ob der Baum für Honigbienen, Wildbienen und Hummeln Nahrung bereitstellt.

Geeignete Bäume für Bienen

  • Bienenbaum (Euodia hupehensis): Zwar kein einheimisches Gewächs, aber eine der besten Bienenpflanzen mit reichlich Nektar und Pollen. Da Euodia-Arten von Ende Juli bis in den Oktober hinein blühen, decken sie einen idealen Zeitpunkt ab, wenn die Honigbiene die Brut für das neue Jahr erneuert und die Nahrung limitiert ist.
  • Sal-Weide (Salix caprea): Aufgrund der frühen Blüte liefert die Sal-Weide schon ab März reichlich Pollen und Nektar und ergänzt damit ideal das erste Futterangebot für die Bienen im Jahr. Doch nicht nur das, sie bietet auch Futter für die Raupen von 59 einheimischen Falterarten (3).
  • Obstbäume: Wildkirsche, Apfel und andere Obstbäume bieten je nach Blütezeit im Frühling oder Frühsommer reichlich Nektar für Bienen. Zusätzlich lässt sich leckeres Obst ernten, das im Bienengarten auch noch besonders gute Erträge bringt.

Weitere Bäume, die gute Bienenweiden sind: Kastanie, Weißdorn, Kornelkirsche, Traubenkirsche, Trompetenbaum, Ahorn, Robinie, Eberesche und Linde. Die Linde hat übrigens zu Unrecht einen schlechten Ruf, da es unter Linden im Sommer manchmal zum Massensterben von Hummeln kommt. Die Ursache ist jedoch nicht die Linde, sondern Nahrungsmangel (3).

Kübel und Balkonkästen bepflanzen

Es muss nicht immer der Garten sein. Auch Balkone, Terrassen und Kübel lassen sich ganz einfach in ein Bienenparadies verwandeln. Als Topfpflanze macht sich die Bartblume (Caryopteris) gut. Sie blüht spät und sollte kühl, aber frostfrei überwintert werden.

In Balkonkästen ist eine bunte Mischung aus Küchenkräutern, Blumen und sogar Gemüse oder Obst möglich. Hier eignen sich viele der Sorten, die in den Kapiteln über Gemüse- und Blütenpflanzen bereits genannt sind.

Praxis-Tipp für besonders bienenfreundliche Balkonkästen oder Töpfe:

· Spätblüher-Mischung mit Blüten bis Oktober: Ringelblume, Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse.

· Kräuter-Blumen-Kombination: Zitronenmelisse und Thymian mit Polster-Glockenblume oder Tagetes.

· Zum Naschen und Bienenbeobachten: Balkontomate, Erdbeere, Topfaubergine, Topfpaprika oder Chili-Pflanze

· Duftende Kräutertöpfe: Zitronen-Thymian, Echter Lavendel, Salbei und Oregano.

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