Die 10 goldenen (oder grünen) Regeln für deinen nachhaltigen Garten

Wenn nicht nur deine Pflanzen den Garten grüner machen, sondern auch die Tatsache, dass du weniger Ressourcen verschwendest, dein Garten chemiefrei ist, du an Kosten sparst… dann bist du auf dem richtigen Weg zu einem nachhaltigen Garten!

Du hast diesen Weg noch nicht eingeschlagen, oder suchst noch nach Inspiration damit auch du dem Planeten etwas Gutes tun kannst? Dann bist du hier genau richtig. Und das Tolle ist, dem Vorhaben sind keine Grenzen gesetzt, denn Grüner geht immer!

Also genug der Plauderei, es geht ans Eingemachte.

1. Die Wiederverwendung von Regenwasser.

Da Wasser in jedem Garten eine wichtige Rolle spielt, ist dieser selbstverständlich ein unverzichtbarer Punkt auf der Liste der goldenen Regeln. Wie kannst du nun Wasser effizient nutzen und eine der kostbarsten Ressourcen der Erde schonen? Ein spannendes Thema, also lass uns direkt eintauchen.

Zunächst ist das Auffangen von Regenwasser ein unglaublich wichtiger Schritt und kann eine Menge an Kosten sparen. Beim Verwenden einer einfachen Regentonne geht die Nutzung sogar über die Bewässerung des Gartens hinaus, da sie auch als Vogelbad und Wasserquelle dienen kann. Lass die Tonne dafür an einem schattigen Plätzchen offenstehen. Besitzt du einen großen Garten? Dann bietet sich auch ein unterirdischer Sammelbehälter an. Dieser kann sogar so installiert werden, dass das Regenwasser zum Spülen der nächstgelegenen Toilette verwendet werden kann.

Wann du deinen Garten bewässerst, spielt ebenfalls eine große Rolle. Am besten gießt du sämtliche Pflanzen in den Morgenstunden, um die Verdunstung zur Mittagszeit zu vermeiden. Das macht auf jeden Fall einen Riesenunterschied!

Wenn die unerbittliche Sonne in der Sommerzeit auf den Garten knallt, erhöhe einfach die Schnitthöhe deines Rasenmähers. Das längere Gras ist nicht nur angenehmer unter deinen Füßen, sondern ermöglicht es dir auch den Rasen seltener zu bewässern. Nun ist er besser vor der lästigen Austrocknung geschützt.

Eine Schicht Mulch kann ebenfalls Wunder wirken. Dieser unterstützt den Boden dabei, die Feuchtigkeit zu halten.

2. Chemie? Nein, danke.

Und das am besten bei Pflanzenschutzmittel und Düngern! Um die Schnecken in Zaum zu halten, bieten sich zum Beispiel Schneckenringe an. Garten Fleece und Schutznetze können darüber hinaus auch vor der hungrigen Raupe Nimmersatt schützen. Wie manche Tiere dir bei diesem und anderen Problemen helfen können, erzähle ich dir im 4. Punkt.

Was du wo pflanzt kann zudem eine große Unterstützung sein! Pflanze Zwiebeln und Schnittlauch um Rosen herum, um die Pilzkrankheit Sternrußtau vorzubeugen. Wenn du Möhren und Lauch nebeneinander wachsen lässt, begünstigen diese sich gegenseitig. Sie sind in der Lage andere Pflanzenschädlinge voneinander fernzuhalten. Das gleiche Phänomen weisen Meerrettich und Kartoffeln auf. Der Rettich ist in der Lage die Widerstandsfähigkeit der Kartoffelpflanze zu erhöhen.

Wie kümmert man sich aber nun um Unkraut, ganz ohne Pestizide? Hier hilft eine Schicht von ungefähr 5- 7,5cm Mulch oder Kompost um die betroffene Pflanze herum. Toll wie der Mulch nicht nur bei der Befeuchtung des Bodens und dem Unkraut hilft, sondern die Pflanze zusätzlich im Winter isolieren kann! Auch eine Plastikplane kann helfen das Unkraut loszuwerden, indem es dieses runterdrückt und keine Möglichkeit zum Wachsen gibt.

3. Kompostieren

Nachhaltiges Düngen geht natürlich am besten mit dem eigenen Komposthaufen, der deiner Erde nochmal einen gesunden Boost verpasst. Und auch deinem Geldbeutel.

Was genau auf den Komposthaufen gehört und was nicht, kannst du in der Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Kompostieren nachlesen.

Das Tolle hierbei ist, dass du nicht nur weniger Müll produzierst, sondern auch deiner Erde im Garten etwas Gutes tust. Egal welche Pflanzen du hier hegst und pflegst, sie können durch die Düngung mit deinem Kompost nur profitieren. Außerdem kann dein Kompost die Erde nicht nur durch die vielen Nährstoffe und Mikroorganismen unterstützen, denn er sorgt auch dafür, dass die Feuchtigkeit wie bei einem Schwamm länger im Boden erhalten bleibt und der Boden nicht durch Erosion weggetragen wird. Ein wahrhaftiger Alleskönner!

4. Hotel Garten

In deinem eigenen Garten kannst du Tieren ganz einfach Unterschlupf gewähren. Wie du dein eigenes Hotel „Garten“ erschaffst, hier kurz und knackig erklärt.

Besonders kreativ kannst du einem der wichtigsten Insekten, der Biene, durch ein Bienenhotel ein zu Hause bieten. Das Bauen macht unglaublich viel Spaß und braucht auch nicht viel Zeit oder Ressourcen! Und schon summt es wunderschön und beruhigend im Garten.

Auch das Aufhängen von Nistkästen für Meisen und Rotschwänzchen ist ein willkommenes Geschenk! Hier kannst du der Kreativität wieder freien Lauf lassen und das kleine Vogelhäuschen mit Farben bunt in Szene setzen. Außerdem helfen dir die neuen Bewohner gerne mit lästigen Raupen und Insekten, denn die haben sie zum Fressen gern.

Wenn es aber noch einfacher gehen soll, greife einfach auf Stein-, Laub- und Totholzhaufen zurück. Diese müssen keinen Abfall darstellen und können so wunderbar anderweitig genutzt werden. Hier suchen sich Igel oder Hummeln liebend gerne einen Unterschlupf, oder Lagern auch ihr Futter.

5. Heimische Pflanzenarten

Allgemein solltest du darauf achten, dass in deinem Garten viele verschiedene Pflanzenarten vorkommen, die auch in der Größe variieren. So kann denen Schatten gespendet werden, die es dringend zum Leben brauchen. Sinnvoll ist es hierbei auch, dass du vorzugweise Pflanzen in deinem Garten hast, die von Mutter Natur an das Klima deines Standortes angepasst wurden. So sind sie noch widerstandfähiger und können unbekümmert wachsen.

Denk auch unbedingt über ein paar Wildblumen nach! Deren Farbpracht ist nicht nur wunderschön anzusehen, sie helfen auch vor allem den Bestand der Bienen zu sichern und locken viele Schmetterlinge an.

6. Eigenes Gemüse und Obst anbauen

Vergisst du auch viel zu oft einkaufen zu gehen oder hast einfach keine Lust schon wieder zum Supermarkt zu radeln? Bau dein Gemüse und Obst einfach selbst an! Das ist nicht nur einfach und macht irre viel Spaß, du isst auch immer regional, saisonal, Bio und weißt stets was wirklich in deinem Essen ist.

Die Selbstversorgung ist allein aus diesen Gründen schon unglaublich nachhaltig. Zusätzlich sparst du noch eine große Menge an Plastikmüll, der sonst als Verpackungsmaterial dienen würde. Außerdem kannst du die Samen deiner eigenen Pflanzen sammeln und bis zum nächsten Frühling an einem trockenen Ort aufbewahren. Damit sparst du dir die Kosten der neuen Samen oder Pflanzen.

Damit der Anbau auch ein großer Erfolg wird, achte darauf möglichst auf eine Mischkultur zu setzen. Damit erreichst du bei geringerem Arbeitsaufwand und weniger Wasserverbrauch die optimale Nährstoffnutzung.

Einen Fruchtfolgeplan zu erstellen kann auch sehr hilfreich sein. Damit erhältst du die Harmonie in deinem Garten und hast immer im Überblick, wann und wo du Stark- und Schwachzehrer pflanzen solltest.

7. Lokale Materialien

Egal ob es um die Terrasse, Stühle, Wege oder Dekorationen geht. Nach Produkten oder Materialien aus deiner Umgebung zu suchen, kann dem ökologischen Fußabdruck deines Gartens unheimlich helfen! Hier kannst du super Transportwege einsparen und auch die Chance nutzen selbst Hand anzulegen. Außerdem sieht es doch besonders klasse aus, wenn sich deine Werke wunderbar in die Natur deiner Umgebung einfügen. Hier ist einfach alles stimmig!

8. Recycling

Natürlich muss Recycling eine große Rolle im Thema grüner Garten spielen! Also wenn immer es möglich ist, greife nicht nur auf lokale Materialien zurück (s. Punkt 7), sondern versuche auch stets Material oder bereits bestehende Gegenstände aus recycelten Stoffen zu wählen.

Was im Bereich des Gartens aber noch interessanter ist als Recycling ist das Upcycling! Man nehme ein fahruntaugliches rostiges Fahrrad, eine alte robuste Bank oder große schwere Töpfe oder Krüge von Oma. Egal für welchen Gegenstand du dich entscheidest, der trendige Vintage-Look wird erzielt und ist zudem noch unglaublich nützlich. Alte Töpfe oder Weinkisten können noch als Blumentopf herhalten und Fahrräder und Bänke als Rankhilfen für einige Pflanzen. Auch alte Schüsseln oder Hundenäpfe können Vogelbäder oder Wasserquellen darstellen. Deinen Upcycling-Projekten sind keine Grenzen gesetzt!

9. Design des Gartens

Wenn wir damit beginnen den Garten zunächst von außen zu betrachten, fällt zuerst die Grenze des Grundstücks auf. Sei es eine Mauer, ein Zaun oder eine Hecke. Bei einem möglichst Grünen Design des Gartens ist es natürlich wichtig den Tieren, wie Igeln, die Möglichkeit zu gewähren nach Belieben deinen Garten zu betreten und auch wieder zu verlassen. Dementsprechend eigenen sich Hecken und Bäume am Besten. Sie bieten dem Garten Sichtschutz und schränken deine neuen Gartenbewohner nicht beim Passieren ein. Wenn du deine Bäume richtig platzierst, können sie deinem Haus im Sommer Schatten spenden und im Winter ein paar warme Sonnenstrahlen durch die Fenster fallen lassen.

Deine Hauswand kannst du auch wunderbar begrünen. Rankpflanzen wie Efeu können dein Haus super isolieren und du kannst damit Heizkosten sparen. Zusätzlich bietest du Vögeln noch einen Unterschlupf, die fühlen sich in den dichten Blättern und Ranken besonders wohl.

Achte bei deinem Rasen darauf die Fläche nicht zu groß zu halten, denn deine gepflegte und unkrautfreie Wiese benötigt viele Ressourcen um sie auf diesem Stand zu halten. Außerdem bietet sie wenig Nahrung oder Lebensraum für deine Gartenbewohner.

Ein weiteres Design, welches immer mehr an Popularität gewinnt, sind grüne Dächer. Damit geht dein Beitrag zur Umwelt sogar noch über den Garten hinaus! Die Bepflanzung ist auf dem Hausdach möglich und auch auf dem Schuppen oder der Garage, wenn diese das Gewicht tragen können. Am besten pflanzt du hier heimische Pflanzen, die nicht viel Pflege bedürfen. Auch Wildblumen eigenen sich hervorragend und zaubern ein buntes Paradies für Bienen, welches wunderschön anzusehen ist und deinem Haus einen Wiedererkennungswert verpasst.

Behalte auch bei der Gestaltung deines Gartens im Hinterkopf immer auf lokale oder recycelte Materialien und Gegenstände zurückzugreifen, wenn es möglich ist.

10. Stromeinsparung

Wenn du bei der Aufteilung deiner Gartenfläche bereits eingehalten hast, deine Rasenfläche so klein wie möglich zu halten (siehe 9.), dann hast du bereits einen Schritt in Richtung Stromeinsparung getan! Umso kleiner die Rasenfläche, desto weniger Energie wird beim Mähen der Wiese verwendet. Greife auch unbedingt auf elektronische Rasenmäher zurück und verzichte auf Gas betriebene, da diese die Luft furchtbar verschmutzen. Dein Rasen braucht auch nicht oft einen Schnitt, lass der Natur einfach mal freien Lauf und lehne dich zurück. Und nach dem Mähen auf den Kompost damit!

Hier wird Handarbeit großgeschrieben! Werde selber aktiv und zupfe so viel Unkraut wie möglich mit der Hand. Das ist viel effektiver, da das Unkraut wirklich vollständig entfernt werden kann und du dich selbst sogar noch sportlich betätigst.

Du möchtest deinen Garten in der Abenddämmerung und bei Nacht beleuchten? Versuch es unbedingt mit LED-Leuchten oder solarbetriebenen Lampen, damit sparst du eine große Menge an Strom ein. Und schon erschaffst du eine gemütliche Atmosphäre, die dich deinen Garten noch besser genießen lassen.

11. Bonus: Urlaub im eigenen Garten

So ein Garten kann nicht nur Hobby sein, sondern auch Wohlfühloase und pure Entspannung. Richte dir deinen Garten doch bequem mit deinen recycelten Gartenmöbeln ein, die du auf deinem nächsten Ausflug zum Flohmarkt findest. Außerdem spart der Urlaub bei dir im Garten mögliche Fahrt- oder Flugkosten, die du sonst auf dich hättest nehmen müssen.

Viel Spaß und Entspannung in deinem neuen Grünen und nachhaltigen Garten!

 

Bildquellen:

  • Hands holding green heart shaped tree © Depositphotos.com/weerapat
  • Using chemicals in the garden/orchar © Depositphotos.com/lightpoet
  • Beautiful recycled vases made with old tires. Ideias to have a nice garden with reused materials. © Depositphotos.com/guaraseckler
  • Solar cell panel on lanterns © Depositphotos.com/Yarygin

Biodiversität im eigenen Garten

Biodiversität im eigenen Garten – was das ist und warum es super-sinnvoll ist

Machen wir doch eine kurze Gedankenreise. Stell dir vor, du öffnest deine Terrassentür. Trittst hinaus in deinen Garten – und fast auf eine davonhuschende Eidechse, die sich auf dem Steinboden gesonnt hat. Du hebst den Blick. Rechts von dir befindet sich ein Gemüsebeet. Tomaten und Petersilie, Zwiebeln und Karotten, Kartoffeln und Blattsalat wachsen fröhlich vor sich hin. Dahinter ein Flecken Blumenwiese, wo bunte Blüten zwischen hohen Gräsern hervorleuchten. Wenn du ganz genau schaust, siehst du, wie Schmetterlinge und Bienen von einer Nektarquelle zur anderen tanzen. Ein schmaler Pfad windet sich an einem ausladenden Apfelbaum vorbei; siehst du das Vogelnest, das in die Astgabel links oben geklemmt ist? Geh noch ein Stückchen weiter, dem leisen Glucksen nach – und du gelangst zu einem kleinen Biotop. Hier schaukeln Seerosenblätter auf der Wasseroberfläche, und nachts tröten Frösche ein Konzert.

So, und jetzt zurück in die Realität. Warum ich dich in dieses Kopfkino eingeladen habe? Weil ich dir zeigen wollte, wie Biodiversität aussieht, sich anhört und anfühlt! Aber ganz von vorne: Was bedeutet Biodiversität überhaupt?

Dieser Begriff beschreibt die „Varietät des Lebens“ – oder auch biologische Vielfalt. Biodiversität gibt es ganz makro, auf Planetenebene. Ein Ökosystem (zum Beispiel der Amazonas) kann biodivers sein, und ein kleiner Grasfleck (wie der eigene Garten) ebenso. In einem biodiversen Bereich leben viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten, die sich gegenseitig schützen, stärken und nähren.

Das Gegenteil von biodiversen Gärten sind übrigens Monokulturen, wo nur eine einzige Pflanzen- oder Getreideart wächst. Die sehen nicht nur langweiliger aus, sondern haben auch ganz andere Nachteile – zu denen kommen wir gleich.

Was bringt Biodiversität?

Wer seinen eigenen Grünflecken in ein Biodiversitäts-Paradies verwandelt, hat so einiges davon. Biodiverse Gärten sind

  • Widerstandsfähiger gegenüber von Krankheiten, Ungeziefer, Invasionen und Wetterevents
  • Lebendig
  • Schön
  • Sie liefern einen wertvollen Beitrag zum Arterhalt
  • Sie stellen den ökologischen Ursprungszustand wieder her
  • Und wenn du es möchtest, versorgen sie dich jahrelang mit gesundem Obst und Gemüse aus eigenem Anbau (und zwar düngemittel- und pestizidfrei)

Und das Beste daran? Biodiverse Gärten erfordern keinesfalls Raketenwissenschaft. Ein bisschen mehr Biodiversität funktioniert in jedem Garten; vom Rasenquadratmeter in der Stadt bis zum großzügigen Gelände auf dem Land.

Du musst dafür auch nicht groß planen oder teures Equipment kaufen, sondern kannst mehr Biodiversität einfach Schritt für Schritt mit Standard-Mitteln verwirklichen. Tausche einzelne importierte Pflanzenarten gegen einheimische Sorten aus, schichte hier ein paar Hölzer hin und stelle dort ein Vogelbad auf. Damit lockst du Tiere an – und bist schon am besten Weg zu mehr Biodiversität.

Biodiverse Gärten sind Gärten voller Leben!

Dein lebendiger Garten darf ruhig etwas chaotisch und ungepflegt erscheinen, denn „wild wachsend“ ist in der Natur gleichbedeutend mit „gesund“. Das kannst du so gar nicht mit deinem Ordnungsempfinden vereinen? Dich juckt es in den Fingern und in der Heckenschere, wenn Grashalme aus der Reihe tanzen? Dann suche dir eine Ecke des Gartens aus, wo die Natur sich austoben darf. Das restliche Gelände gehört dir und deinem Rasenmäher.

Kurz und knapp: Do’s und Don’ts für den biodiversen Garten

Do

  • Bienen, Vögel und Schmetterlinge beobachten. Die sind gute Indikatoren für Diversität. Flattern viele davon herum, hast du in deinem Garten einiges richtig gemacht
  • Nur einheimische Pflanzen in den Garten lassen. Diese liefern Nahrung für Insekten und Vögel
  • Bäume, Sträucher, Büsche, Blumen und Gemüsepflanzen miteinander kombinieren. So entstehen verschiedene Mikro- und Makro-Lebensräume für Wildtiere
  • Speziell nektarreiche Blumen auswählen
  • Natürliche Unterschlüpfe für Tiere anbieten – am besten in einer stillen Ecke des Gartens
  • (Eigene) Komposterde statt gekauftem Dünger verwenden

Don’t

  • Rasen zu häufig mähen oder Pflanzen stark beschneiden
  • Nur eine Pflanzenart pro Beet einsetzen
  • Vögel nur im Vogelhaus füttern; biete lieber natürliche Futterpflanzen an
  • Steine, Hölzer oder Dekorationselemente oft umschichten oder reinigen; das stört kleine Kreaturen, die sich hier einnisten möchten
  • Chemische Pestizide verwenden; die irritieren oder töten Tiere. Sie machen auch deine Pflanzen empfindlicher und landen noch dazu oft im Grundwasser oder in Flüssen
  • Verwende auch keine chemischen Reinigungsmittel für Wasserstellen, Biotope usw.

Tiere, Pflanzen, Wasser, Erde – die Elemente eines biodynamischen Gartens

Pflanzen

Fangen wir mit der Pflanzenwelt an: Abwechslungsreich ist gut – aber nur mit Gewächsen, die auch in der deutschen Natur so zu finden sind. Vermeide eingeführte Pflanzen. Und kombiniere einheimische Blumen und Sträucher so, dass vom Frühjahr bis zum Spätherbst immer etwas Blütezeit hat. Damit lockst du Insekten und Vögel an und bietest ihnen über viele Monate hinweg Nahrung.

Finger weg von gefüllten, überzüchteten Blümchen (auch wenn diese noch so schön bunt sind)! Diese haben zwar oft große Blüten, aber nur sehr wenig Nektar – oder der Nektar ist für Bienen und andere Insekten schwer zu erreichen.

Was hingegen gut ist, sind duftende Pflanzen. Denn nicht nur wir Menschen genießen süße Blumendüfte. Viele Schmetterlinge und andere Insekten finden Futterpflanzen durch den Geruch, nicht aufgrund der rosa oder blauen Blütenblätter.

Wenn du neue Pflanzen auswählst, kannst du gezielt nach solchen suchen, die für Bienengärten geeignet sind. Als Faustregel gilt nämlich: Alles, was Bienen schmeckt, lockt auch andere Bestäuber an!

Tipp: Eine schöne – und sehr pflegearme – Idee ist eine Wildblumenwiese; entweder im ganzen Garten oder in einer abgesteckten Ecke. Mohnblumen, Kornblumen und Gänseblümchen sind besonders gut dafür geeignet.

Auch blühende Obstbäume, Sträucher und Hecken sind All-You-Can-Eat-Buffets für Bienen. Praktischerweise ist der zweite Gang für Vögel ausgelegt; nämlich in der Form von reifen Früchten und Nüssen. Versuche auch hier, Gewächse mit einer Erntezeit im Frühjahr mit solchen mit Sommer- und Herbsterntezeiten zu kombinieren.

Und noch ein wichtiger Kombinationsfaktor: Verschiedene Gewächse in unterschiedlicher Höhe und Größe sind super-biodivers. Denn Sträucher und Hecken bieten Unterschlupf und Nistmöglichkeiten für Vögel und Wildtiere. Wenn ein paar große, alte Bäume dabei sind (von der Art, bei der du unbedingt eine Schaukel aufhängen willst), ist das noch besser. Die stellen ebenfalls einen Lebensraum für kleine Tiere und auch Pflanzen dar.

Die Sache mit den Monokulturen – und ja, das betrifft auch Hobbygärtner!

Wenn du dich auch nur ansatzweise dafür interessierst, wo unser Obst, Gemüse und Getreide war, bevor es im Supermarktregal gelandet ist (und das solltest du), hast du bestimmt schon mal etwas von Monokulturen gehört. Am Land hast du sie garantiert auch gesehen: die endlosen, gleichförmigen Felder in saftigem Grün, die ewig langen Obstbaum-Reihen und Weinstrauch-Linien. So angenehm diese Symmetrie für das Auge ist, so mies ist sie aber leider für den Boden. Denn die Natur ist nun einmal nicht auf mono ausgelegt, sondern auf multi – und wenn diese Vielfalt fehlt, leidet so ziemlich alles: Boden, Pflanzen und Tiere.

Aber bevor wir noch tiefer in die Probleme von Monokulturen eintauchen, ist hier eine wichtige Frage: Was genau fällt eigentlich darunter – und was nicht?

Eine Monokultur herrscht immer dann vor, wenn zu einer Zeit nur eine Pflanzenart angebaut wird; auch dann, wenn im nächsten Jahr eine andere Sorte am gleichen Grund wächst. In der Landwirtschaft sind Monokulturen sehr praktisch, weil gleichförmige Felder besser zu pflegen sind als solche, bei denen Kraut und Rüben durcheinanderwachsen. Das ist allerdings ziemlich doof, denn Monokulturen haben einige Nachteile und bringen Probleme mit sich:

  • Der Boden wird schnell vieler Nährstoffe beraubt und ist nach wenigen Saisonen ausgelaugt. Dann wächst nichts mehr so richtig gut
  • Darum muss mit chemischen Mitteln nachgeholfen werden
  • Das macht die Pflanzen empfindlicher; und Schädlingspopulationen können sich schneller ausbreiten
  • Bienen und andere Bestäuber finden auf Monokultur-Feldern nicht genug Nahrung und halten sich deshalb fern

Warum ich dir diese Dinge erzähle, wo du eigentlich gar nicht vorhast, Maisbauer zu werden? Weil es Monokulturen nicht nur in der Landwirtschaft gibt, sondern auch im eigenen Garten. Besonders gefährdet sind jene ordentlichen Grünflächen, wo jedes Pflänzchen seinen Platz hat und Beete wie mit dem Lineal abgemessen angelegt sind.

Eine Monokultur ist es zum Beispiel, wenn in einem Beet nur eine einzige oder wenige, eng miteinander verwandte Gemüse- oder Kräutersorten angebaut werden. (Immer der gleiche Erdfleck für die Kartoffeln ist also ein No-Go!)

Auch, wenn in einem Beet nur Tulpen blühen, hast du eine Mini-Monokultur geschaffen.

Das Gegenteil dieser langweiligen Pflanzform sind Mischkulturen. Die tun dem Boden und den Pflanzen gut.

Der Boden kann sich laufend von Pflanzenrückständen ernähren, weil immer etwas blüht, reift oder zerfällt. Er bekommt sozusagen laufend frische Komposterde geliefert. Gleichzeitig herrscht immer ein anderer Nährstoffbedarf – weil verschiedene Pflanzen ja jeweils andere Nährstoffe brauchen. Mischkulturen laugen die Erde darum weniger stark aus als Monokulturen.

Der Boden wird auch gut vor Umwelteinflüssen geschützt, weil nie alle Pflanzen zugleich abgeerntet werden. Und er wird besser durchwurzelt und damit aufgelockert.

Die einzelnen Pflanzen profitieren ebenfalls. Sie schützen sich gegenseitig; die größeren spenden den kleineren Pflanzen Schatten. Das danken sie dir, indem sie eine bessere Ernte bringen (bzw. schöner blühen) und ihr Revier besser gegen Unkraut und Schädlinge verteidigen (darum also das Argument mit „robust“, das ich weiter oben gebracht habe).

Tipp für alle, die biodiverses Gemüse anbauen möchten: Finde Pflanzenpaare, die hervorragend miteinander auskommen. Das sind zum Beispiel

  • Erdbeeren und Schnittlauch
  • Mangold und Radieschen
  • Kürbis und Mais
  • Möhren und Zwiebeln

Tiere

Damit sind richtig viele Gattungen in gefiederter, geschuppter und fluffiger Ausführung gemeint: Vögel, Reptilien, Insekten, kleine Wildtiere. Wenn du die richtigen Pflanzen ausgewählt hast (weil du das vorige Kapitel förmlich aufgesaugt hast und gleich danach in die Gärtnerei geeilt bist), hast du schon einen wichtigen Schritt Richtung Tierparadies gemacht. Futter ist aufgetischt!

Noch besser gefällt kleinen und winzigen Tieren dein biodynamischer Garten aber, wenn sie hier auch einen Unterschlupf finden. Das muss kein kitschig-buntes Vogelhaus sein. Ein paar übereinandergeschichtete Hölzer bieten Bienen, Insekten, Eidechsen und sogar Igeln ein Zuhause. Auch tote Baumstämme sind gut. Aber bitte zieh nicht gleich mit der Kettensäge in den Wald und schneide gesunde Bäume um – das wäre nämlich gegen unsere Mission für mehr Biodiversität!

Felshaufen an einem sonnigen Fleck geben einheimischen Schlangen einen gemütlichen Rückzugsort.

Und für Vögel? Wirklich, kein Vogelhaus? Nein, so drastisch ist die Sache nicht! Wenn du (oder dein DIY-Mann) Spaß daran hast, den befiederten künftigen Gartenbewohnern kleine Holzschlösschen inklusive Cinderella-Turm zu zimmern, will ich dir dieses Vergnügen natürlich nicht nehmen. Und es ist ja auch eine nette Sache, Vögel gerade im Winter mit Leckerbissen zu verwöhnen.

Noch ein Stückchen nachhaltiger und außerdem gut für Insekten ist es aber, wenn du nicht nur zufütterst, sondern auch natürliches Vogelfutter bereitstellst. Mittlerweile weißt du selbstverständlich, dass es sich dabei um jene Bäume und Sträucher handelt, die Beeren, Samen und Früchte tragen, die die Vögel gerne essen. Erlen, Vogelkirschen und Holunder sind beispielsweise eine gute Wahl.

Mit Biodiversität gegen das Insektensterben – dein Garten zählt!

Wenn du es bis hierher geschafft hast, hast du bestimmt schon eines erkannt: Wenn’s um die Natur geht, dann rockt Diversität einfach. Alle Elemente eines Ökosystems haben ihren Sinn, und nur ein vollständiges System blüht, summt und brummt so, wie wir es gerne haben.

Dennoch hat eine besondere Spezies einen eigenen Absatz verdient, weil sie nämlich so superwichtig ist: Insekten sind das, was unsere Umwelt am Laufen hält. Sie helfen den meisten Pflanzen dabei, sich zu vermehren, vertilgen Schädlinge und dienen selbst als Nahrung für andere Tiere.

Doch die großen und kleinen Summer und Brummer sind in Gefahr! Seit den 90ern ist der Insektenbestand in Deutschland um mehr als 75 % zurückgegangen.

Das hat verschiedenste Gründe:

  • Landwirtschaftliche Monokulturen: Die stellen eine Wüste für Insekten dar; wo früher vom Frühjahr bis zum Herbst abwechslungsreiche Futterpflanzen geblüht haben, ist heute oft … nur noch Einöde
  • Pestizide und Düngemittel: Diese Gifte töten Insekten, machen sie krank oder stören wichtige Sinne; verwirrte Krabbler verhungern oft
  • Zubetonieren von Grünflächen: Noch einmal Wüste, aber diesmal von der Asphalt-Art. Die Urbanisierung sorgt dafür, dass immer mehr Grünflächen in Straßen und Wohngegenden umgewandelt werden
  • Lichtverschmutzung: Viele Insekten werden von Lichtern angezogen und verbrennen am heißen Glas, oder sie werden durch das künstliche Licht in ihrem Jagd- und Fortpflanzungsverhalten gestört
  • Privatgärten und Parks: In denen regieren oft gedüngte Monokulturen (auch als sauber gepflegter Rasen und Blumenbeete bekannt)
  • Klimawandel: Viele Pflanzen blühen durch die veränderten Temperaturen früher; auch das stört den Rhythmus der Insekten. Manche sind noch im Winterschlaf, wenn die ersten Futterpflanzen blühen – und haben dann nicht genug Nahrung, wenn sie erwachen

Das Schlimme an der Sache – ich habe es oben schon kurz angeschnitten, aber ich sage es gerne noch einmal: Die Auswirkungen des Insektensterbens gehen weit über ein paar fehlende Brummer hinaus! Ohne Insekten gibt es weder Blumenwiesen noch Obstbäume. Sehr viele Pflanzenarten sind darauf angewiesen, dass Insekten ihren Samen in die Welt hinaustragen. Fehlen die wichtigen Bestäuber, dann gibt es weniger Obst, Gemüse und Nüsse – anders ausgedrückt: Weniger Nahrung für uns alle. Auch gras- und pflanzenfressende Tiere finden weniger Futter, und es entsteht eine gefährliche Hungerspirale.

Du kannst zwar weder den Klimawandel aufhalten noch die Agrarwirtschaft umkrempeln. Aber: Du kannst in deinem eigenen Garten ein kleines Stück Lebensraum für Insekten wiederherstellen. Und wenn du mit einem guten Beispiel vorgehst (und den Nachbarn hin und wieder deine eigenen, supersüßen Erdbeeren anbietest), motivierst du vielleicht sogar andere Privatgärtner zu mehr Insektenfreundlichkeit. Na, das wäre doch schön!

Wasser

Eine Sache fehlt noch für einen echt biodiversen Garten: Wasser. Das leise Plätschern beruhigt nicht nur uns Menschen, sondern gefällt auch Vögeln, Bienen und kleinen Säugetieren. Wasserstellen schaffen außerdem ein zusätzliches Ökosystem in deinem Garten. In dem bietest du Amphibien, wasserliebenden Insekten und sogar Fischen einen Lebensraum.

Die simpelste Lösung ist ein Vogelbad, das du einfach bereitstellen kannst. Etwas aufwendigere Optionen sind Biotope oder ein kleines Bächlein. Dafür brauchst du eventuell Hilfe vom Landschaftsgärtner; es gibt aber auch großartige DIY-Anleitungen. Achte auf jeden Fall darauf, dass die Wasserstelle einen flachen Einstieg hat, damit sämtliche Tiere bequem hinein- und hinausgelangen.

Bonus-Level: Kompost

Du willst ein Stückchen besser als gut sein? Die Sache mit der Biodiversität mit Eins und Sternchen abschließen? Pflanzen, Wasser, Unterschlupf für Tiere – alles check? Dann kommt hier eine Extra-Aufgabe: Lege einen Kompost an!! Dabei entsorgst du organische Abfälle aller Art (von Eier- und Gemüseschalen über Zeitungspapier bis zu Grünschnitt) an einem eigens dafür vorbereiteten Platz. Die Natur (bzw. Mikroorganismen, Würmer und Insekten) knabbert sich durch das, was du entsorgst, und verwandelt Mist in den besten Dünger, den es gibt: Komposterde. Diese ist feinkörnig und dunkelbraun und stinkt kein bisschen. Sie ist für Pflanzen und Bäume das, was ein grüner Smoothie für dich ist: ein wahrer Nährstoffcocktail, der Energie schenkt, schützt und kräftigt. Verstreue deine Komposterde im Garten – und du brauchst nie mehr chemische Düngemittel kaufen. Zusätzliche Vorteile: Du reduzierst deine eigene Müllproduktion, weil Abfälle ganz natürlich verwertet werden. Und du holst noch mehr winzige Organismen in deinen Garten. Klingt doch toll, oder?

 

Bildquellen:

  • Honeybee,butterfly and lady bud on lavender flowers in panoramic view © Depositphotos.com/sanddebeautheil
  • Colorful garden flowers © Depositphotos.com/elenathewise
  • Berries of a rowan and bird © Freepik/user25494084
  • Man cleans garden pond bottom with highpressure washer from mud and sludge © Freepik/suravikin

Orchideen

Orchideen – Alles über die Pflege der exotischen Schönheiten

Orchideen umgibt ein ganz besonderes Flair. Mehr als alle anderen Blumenarten stehen sie für Schönheit, Eleganz und Seltenheit. Kein Wunder, denn ihre Blüten haben wunderschöne Farben und außergewöhnliche Formen. Aus diesem Grund waren tropische Orchideen früher etwas ganz Besonderes. Sie wurden im Regenwald gesammelt und auf abenteuerlichen Schiffsreisen nach Europa transportiert.

Das ist heute natürlich anders. Doch ihre Faszination haben die Orchideen bis heute behalten. Zahlreiche Züchtungen und Hybriden bringen mit ihrer Farbvielfalt immer wieder zum Staunen. Viele Arten lassen sich problemlos als Zimmerorchideen halten und einige eignen sich sogar für den Garten. Aber die Orchideen unterscheiden sich nicht nur optisch von allen anderen Blumen, auch in der Pflege haben sie spezielle Ansprüche. In diesem Ratgeber finden Interessierte spannende Hintergrundinformationen über Orchideen sowie Tipps zur Pflege und zur Auswahl der richtigen Orchideenart.

Was sind Orchideen?

Fast jeder kennt Vertreter der Orchideen, die sich häufig durch besonders prachtvolle, elegante Blütenformen auszeichnen. Doch die Familie der Orchideengewächse ist weitaus vielseitiger und sehr viel größer, als man vielleicht vermuten könnte.

Die Familie der Orchideengewächse

Die Blütenpflanzen werden in zwei große Gruppen eingeteilt: Die Nacktsamer, zu denen Nadelbäume und Farne gehören, und die Bedecktsamer (Blütenpflanzen). Als Orchideen werden Blütenpflanzen aus der Familie Orchidaceae, auf Deutsch Orchideengewächse, bezeichnet. Diese Familie stellt die zweitgrößte Gruppe innerhalb der Blütenpflanzen dar. Die größte Gruppe sind die Korbblütler (dazu gehört zum Beispiel das Gänseblümchen, der Löwenzahn, die Sonnenblume oder die Margerite).

Was kennzeichnet Orchideen?

Orchideen können sehr unterschiedlich aussehen. Es gibt nur einige, wenige Merkmale, die alle Orchideengewächse gemeinsam haben. Dazu gehören Besonderheiten der Blüte. Bei den Orchideen sind die Staubblätter zu einer sogenannten Säule (Gynostemium) zusammengewachsen. Die Pollenkörner liegen nicht einzeln, sondern als klebrige Pollenklumpen (Pollinien) vor. Typisch für Orchideengewächse ist außerdem, dass die Samen nur dann keimen, wenn bestimmte Pilze im Boden vorhanden sind, mit denen die Orchideen eine Symbiose eingehen. Was die Orchideen so beliebt macht, ist vor allem ihre oft sehr ungewöhnlich aussehenden, meist asymmetrischen Blüte. Bei den asymmetrischen Blüten ist ein Blütenblatt vergrößert und wird Labellum (Lippe) genannt.

Wie viele Orchideenarten gibt es?

Die Familie der Orchideengewächse umfasst hunderte verschiedener Gattungen. Die Anzahl der Orchideenarten liegt geschätzt zwischen 15.000 und 35.000, je nachdem welches Nachschlagewerk oder welchen Experten man dazu befragt. 2005 veröffentlichte der Pflanzenforscher Rafaël Govaerts Ergebnisse einer von ihm geführten Liste, auf der 859 verschiedene, meist tropische Orchideengattungen und über 25.000 Orchideenarten enthalten sind (1).

Wuchsformen: Epiphytische, terrestrische und lithophytische Orchideen

Bei der Evolution der Orchideengewächse entstanden unzählige, sehr unterschiedliche Arten. Sie alle haben sich auf ihre ganz spezielle Weise an das Leben in der jeweiligen Umgebung angepasst. Viele Orchideen findet man in tropischen und subtropischen Regionen, andere auch in unseren Breiten. Die Anpassung an die jeweiligen Standorte resultierte darin, dass es drei ganz unterschiedliche Wuchsformen bei den Orchideen gibt:

  • Die Epiphyten, die auf anderen Pflanzen wachsen.
  • Die terrestrischen Orchideen, die auf dem Boden wachsen.
  • Die Litophyten, die auf Steinen wachsen.

Orchideenarten aus allen drei Gruppen können als Zimmerpflanzen gehalten werden. Welche besonderen Ansprüche sie an die Pflege haben und welche bekannten Arten dazu gehören, wird in den folgenden Kapiteln dieses Ratgebers genauer beschrieben.

Epiphytische Orchideen

Als Epiphyten (oder Aufsitzerpflanzen) bezeichnet man Pflanzen, die sich auf anderen Pflanzen ansiedeln, zum Beispiel auf Bäumen im tropischen Regenwald. Dort halten sie sich mit ihren Wurzeln fest. Sie sind jedoch keine Schmarotzer und nutzen ihre Wirtspflanze nur, um näher an das Licht zu gelangen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit in tropischen und subtropischen Regenwäldern können die epiphytischen Orchideen über Luftwurzeln, schwammartige Speichergewebe und spezielle Speicherorgane genug Wasser und Nährstoffe aufnehmen und speichern.

Weltweit gehören etwa zehn Prozent aller Pflanzen zu den Epiphyten (2). Bei den Orchideen sind es geschätzt rund zwei Drittel aller Arten, die epiphytisch leben.

Terrestrische Orchideen

Terrestrische Pflanzen (Landpflanzen) wachsen so, wie wir es hierzulande vom allergrößten Teil aller Pflanzen kennen. Die Wurzeln dringen in den Boden ein, verankern die Pflanzen und nehmen Wasser und Nährstoffe auf. Darüber erhebt sich die Pflanze, die ihre Blätter und Blüten zum Licht hin ausbreitet.

Viele terrestrische Orchideen stammen aus tropischen oder subtropischen Regionen und bilden neben den normalen Wurzeln auch Luftwurzeln aus. Man nennt diese Arten auch semi-terrestrische Orchideen.

Lithophytische Orchideen

Die Lithophyten ähneln den Epiphyten. Ihre Lebensweise ähnelt den Epiphyten, doch sie wachsen nicht auf anderen Pflanzen, sondern siedeln sich auf Felsen oder Steinen an. Einige Arten können sich nicht nur mit den Wurzeln am Stein festhalten, sondern sind sogar in der Lage, das Gestein anzulösen und darin einzudringen.

Bekannte Lithophyten sind die Tilllandsien, die zu den Bromelien gehören. Doch auch viele Orchideenarten wachsen auf Gestein.

So vermehren sich Orchideen in der Natur

Um Orchideen als Zimmerpflanze oder im Freiland vermehren zu können, sollte man über die generellen Mechanismen der Vermehrung bei Orchideen Bescheid wissen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Vermehrungsarten:

Generative (geschlechtliche) Vermehrung durch Samen

Bei der geschlechtlichen (oder generativen) Fortpflanzung, wird eine Blüte bestäubt und bildet daraufhin Samen aus. Diese Samen vereinen das Erbgut der bestäubenden (männlichen) und der befruchteten (weiblichen) Pflanze. Keimen die Samen, wachsen ganz neue, genetisch unterschiedliche Pflanzen heran. Will man selbst Orchideen vermehren, ist es für Privatpersonen viel zu aufwändig, selbst Samen zu züchten. Hier kommt in der Regel nur die vegetative Vermehrung in Frage.

Vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung durch Meristeme, Ableger oder Teilung

Bei der ungeschlechtlichen (oder vegetativen) Vermehrung, wächst aus einem Teil einer Pflanze wieder eine neue Pflanze heran. Die Tochterpflanze ist genetisch mit der Mutterpflanze völlig identisch. Bei vielen Orchideen ist es zum Beispiel möglich, die Pflanzen zu teilen oder Ableger zu neuen Pflanzen heranzuziehen. In Erwerbsgärtnereien, die auf Orchideen spezialisiert sind, werden die Pflanzen manchmal in großen Mengen über Meristeme vermehrt. Das sind Gewebestücke der Orchidee, aus denen sich neue, identische Pflanzen bilden.

Die natürliche Verbreitung der Orchideen

Orchideen findet man auf jedem Kontinent der Erde (ausgenommen die Antarktis). In kalten Regionen und in unseren Breiten wachsen verschiedene Orchideenarten. Doch die überwiegende Zahl der Orchideen kommt aus den südamerikanischen oder asiatischen Tropen und Subtropen. Während in Europa nur rund 40 Orchideenarten zu finden sind, wurden im tropischen Asien bisher etwa 300 Gattungen mit Tausenden von Arten beschrieben. Tendenz steigend, denn in den Regenwäldern sind bisher längst nicht alle vorhandenen Arten entdeckt worden und es kommen ständig neue hinzu.

Wer tropische Orchideen als Zimmerpflanze pflegen möchte, muss auf viele Besonderheiten Rücksicht nehmen, die auf der Herkunft der Pflanzen beruhen.

Artenschutz und Gefährdung

Leider sind viele Orchideenarten gefährdet. Die Abholzung der Regenwälder in tropischen und subtropischen Regionen schränkt den Lebensraum dort ein. Aber auch unsere europäischen Orchideen werden immer seltener, da ihre natürlichen Verbreitungsgebiete oft der Landwirtschaft oder dem Städtebau zum Opfer fallen. Darum ist es hierzulande verboten, Orchideen in der Natur zu sammeln (mehr dazu im folgenden Kapitel).

Quellen:

(1) P. Cribb, R. Govaerts: Just how many Orchids are there? In: Proceedings of the 18th World Orchid Conference. 2005, S. 161–172.

(2) A. H. Gentry, C. H. Dodson: Diversity and Biogeography of Neotropical Vascular Epiphytes. In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 24, Nr. 2, 1987, S. 205–233.

Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung von Orchideen

Schon seit Jahrtausenden faszinieren die Orchideen Menschen in aller Welt. Beschäftigt man sich mit der Geschichte der Orchideengewächse, stößt man nicht nur auf interessante Fakten, sondern auch auf viele kuriose und spannende Details.

Die Kulturgeschichte der Orchideen

Seit 2500 Jahren werden Orchideen in ganz unterschiedlichen Kulturen immer wieder erwähnt. Die älteste Überlieferung stammt aus China, wo der Philosoph Konfuzius die Orchidee um 500 v. Chr. als Schriftzeichen verwendete, das soviel wie Eleganz, Schönheit oder Anmut bedeutet.

Woher haben die Orchideen ihren Namen?

Der Ursprung der Bezeichnung „Orchidee“ oder „Orchidaceae“ (Orchideengewächse) leitet sich vom griechischen orchis (Hoden) ab. Der Grund sind die zwei eiförmigen Wurzelknollen, die typisch für eine der bekanntesten Orchideen-Gattungen, die Knabenkräuter, sind. Diese Bezeichnung wurde das erste Mal von Theophrastus von Lesbos (griechischer Philosoph und Naturforscher, sowie Schüler des Aristoteles) etwa 300 v. Chr. in seinem Werk Historia plantarum verwendet.

Die ersten Zierpflanzen: Teure Importe

Ab dem 17. Jahrhundert waren die Menschen nicht mehr damit zufrieden, heimische Orchideen in ihren Gärten zu kultivieren. Die ersten tropischen Orchideen wurden auf monatelangen Reisen mit Schiffen nach Europa gebracht. Im 19. Jahrhundert entstanden in Europa, besonders in England, berühmte Orchideensammlungen. Die Prunkstücke der Sammlungen (zum Beispiel die Cattleya labiata mit ihrer großen, blauen Blüte) wurden bewundert, als Sensation gefeiert und schufen eine große Nachfrage nach immer neuen Orchideen. Reisende Sammler und Orchideen-Forscher hatten Hochkonjunktur. Erst ab dem 20. Jahrhundert wurden immer mehr Orchideen in Europa gezüchtet und die Nachfrage nach importieren Orchideen ging zurück. Doch auch heute noch werden für besonders seltene Pflanzen und neue Arten immens hohe Preise von Sammlern bezahlt, was leider oft dazu führt, dass die Orchideen im Heimatland rücksichtslos geplündert werden.

Darwins Vorhersage: Die Orchidee und der Nachtfalter

Eine Orchidee war der Inhalt einer Vorhersage Charles Darwin, die sich später bewahrheitete. Er entdeckte 1862 in Madagaskar die Orchidee Angraecum sesquipedale, mit einer Blüte, deren Nektar sich in einem 30 Zentimeter langen Sporn befindet. Um diese Pflanze zu bestäuben, müsse – so Darwin – ein Insekt mit einem ebenso langen Rüssel existieren. Und wo war es tatsächlich. Erst nach Darwins Tod entdeckte man einen Nachtfalter mit einem 22 Zentimeter langen Saugrüssel, der diese Blüte bestäubt (1). Sein Name Xanthopan morgani praedicta erinnert an die Geschichte, denn das lateinische Wort „praedictus“ bedeutet „vorausgesagt“.

Orchideen als Droge, Aphrodisiakum, Heilmittel

Während der ganzen Kulturgeschichte der Orchidee wurden Orchideengewächse auch immer wieder für – aus unserer heutigen Sicht – wenig empfehlenswerte Einsatzgebiete verwendet. Die Tarahumara, ein mexikanischer Indianer-Stamm, nutzen die Orchidee Trichocentrum cebolleta traditionell als berauschendes Halluzinogen. Im 19. Jahrhundert wurde einheimischen und importierten Orchideen eine Reihe von Heilwirkungen nachgesagt. Das kleine Knabenkraut sollte gegen Durchfall, die wohlriechende Orchidee Angraecum fragrans gegen Schwindsucht helfen. Das heimische Helmknabenkraut wurde als Aphrodisiakum verwendet und sollte die Potenz steigern.

Orchideen als Nutzpflanzen

Heute werden Orchideen vorwiegend als Zierpflanzen und Schnittblumen gezüchtet. Das hat immense wirtschaftliche Bedeutung. Allein Thailand erwirtschaftet jährlich rund 40 Millionen Euro mit dem Orchideenexport. Doch bestimmte Orchideen werden auch als Nutzpflanzen verwendet.

Orchideenmehl „Salep“

Eine türkische Spezialität ist ein Eis mit besonders zäher Konsistenz. Es enthält traditionell ein Mehl aus Knollen verschiedener Orchideen, vor allem Knabenkraut-Arten (Gattung Orchis). Dieses Orchideenmehl dient als Verdickungsmittel und wird Salep genannt. Auch in Getränken kommt es in der Türkei zum Einsatz, wird aber heute häufig aus Gründen des Naturschutzes (aber auch aus Kostengründen) durch günstigere Alternativen ersetzt.

Vanille: Aroma aus Orchideen

Die wirtschaftlich bedeutendste Orchideenfrucht ist die Vanilleschote. Die Orchideengattung Vanilla umfasst rund 110 Arten. Dazu gehört die Gewürzvanille Vanilla planifolia. Sie bildet schotenförmige Früchte, die in einem aufwändigen Prozess überbrüht, fermentiert und getrocknet werden. Letztendlich entstehen die schwarzen Schoten, die bei uns in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich sind. „Bourbon-Vanille“ nennt man sie dann, wenn sie von den sogenannten Bourbon-Inseln stammt, zu denen unter anderem Réunion (früher Ile Bourbon), die Komoren, die Seychellen und Madagaskar gehören. Andere Vanilla-Arten werden in der Parfümherstellung eingesetzt.

Düfte und Parfüms

Parfümhersteller suchen ständig nach neuen, ungewöhnlichen Düften. Die riesige Familie der Orchideengewächse sorgt hier ständig für Nachschub. Dabei müssen nicht unbedingt die (in der Regel geschützten) Orchideen in großen Mengen geerntet werden. Heute können Düfte auch analysiert und dann im Labor nachgebaut werden.

Quellen:

(1) Kritsky, G. Darwin’s Madagascan hawk moth prediction. American Entomologist 2001, 37:206-210.

Orchideenarten – Riesige Vielfalt

Die Anzahl der Orchideenarten ist riesig, doch nur ein kleiner Teil davon kommt zur Pflege im Garten oder als Zimmerorchidee in Frage. Unter ihnen sind sehr unterschiedliche Arten, die sich optisch und in ihren Pflegeansprüchen stark unterscheiden.

Was sind Gattungen, Arten, Sorten und Hybriden?

Insgesamt gibt es geschätzt zwischen 15.000 und 35.000 verschiedene Orchideenarten. Doch wann spricht man eigentlich von einer Art? Und was sind Sorten und Hybriden? Um Orchideenarten genauer vorzustellen, sollen zunächst diese Begriffe geklärt werden.

Die Orchideen-Gattung

In der Biologie werden die Pflanzen nach einem hierarchischen System eingeteilt. Pflanzen mit bestimmten, ähnlichen oder gleichen Merkmalen werden in eine Familie eingruppiert. Bei den Orchideen ist das die Familie der Orchidaceae. Innerhalb dieser Familie werden die Orchideen in verschiedene Gattungen eingeteilt, die mindestens eine, oft aber auch hunderte von Arten enthalten.

Die Orchideen-Art

Die Art oder Spezies ist die Grundeinheit der biologischen Einteilung. Jede Art zeigt Merkmale, die sie (mehr oder weniger) klar von anderen Arten abgrenzt. Gattung und Art bilden zusammen den lateinischen Namen der Pflanze. Beispiel: Phalaenopsis amabilis. Phalaenopsis ist die Gattung, die Art heißt amabilis.

Was sind Sorten?

Sorten sind züchterisch entstandene Varianten einer Pflanzenart. Innerhalb einer Art kann es verschiedene Sorten geben, die sich zum Beispiel nur in der Blütenfarbe unterscheiden. Die Sorte wird oft in Anführungszeichen hinter den Art- oder Gattungsnamen gestellt. Beispiel: Phalaenopsis sogo ‚grape‘ (Blüte hat die Farbe roter Trauben).

Was sind Hybriden?

Eine besonders wichtige Rolle bei Orchideen spielen die Hybriden. Das sind Kreuzungen von zwei oder mehr Arten, die auch in der Natur manchmal vorkommen. Wichtig sind die Hybriden aber bei der Orchideenzucht. Durch Hybridisierung werden immer neue Orchideen mit besonders geformten oder gefärbten Blüten oder anderen außergewöhnlichen Merkmalen erzeugt. Hybriden werden im Namen oft durch ein „x“ gekennzeichnet.

Wild wachsende Orchideen und Garten-Orchideen

Orchideen wachsen in unseren Breiten nur dann im Freiland, wenn sie an die hiesigen Bedingungen (Temperatur, Wasserangebot) gewöhnt sind. Deshalb eignen sich besonders einheimische Orchideen, aber auch einige Arten, die aus kühleren Regionen anderer Teile der Welt stammen.

Einheimische Orchideen

Es gibt in Deutschland rund 60 Orchideenarten, die wild wachsend vorkommen. Die bekannteste Gattung sind die Frauenschuhe (Cypripedium), zu denen der Gelbe Frauenschuh gehört. Leider sind Frauenschuhe immer seltener in der Natur zu finden. Auch die Waldvögelein (Cephalanthera) gehören zu den deutschen Waldorchideen. Vertreter sind zum Beispiel das Rote Waldvögelein und das Schwertblättrige Waldvögelein. Das Weiße Waldvögelein war 2017 „Orchidee des Jahres“ (1). Zur Orchidee des Jahres wählen die AHO (Arbeitskreise Heimischer Orchideen) besonders schützenswerte Arten. Die Stendelwurzen (Epipactis) findet man vor allem in Süd- und Mitteldeutschland wild wachsend. Auch die früh blühenden Knabenkräuter (Dactylorhiza, Orchis) sind stellenweise hier noch heimisch.

Schutz wild wachsender Orchideen:

Sämtliche einheimischen Orchideen stehen unter Naturschutz und sind zum Teil stark vom Aussterben bedroht. Es sollte deshalb klar sein: Pflücken und Ausgraben ist verboten (2). Einige der einheimischen Arten lassen sich jedoch käuflich erwerben und können als Gartenorchideen gepflegt werden.

Orchideen für den Garten

Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Orchideen, die winterhart sind und sich bei unserem Klima wohlfühlen. Von diesen lassen sich wiederum nur einige Arten im Garten pflegen, denn manche Orchideen haben spezielle Bedürfnisse (zum Beispiel eine Symbiose mit bestimmten Pilzen) und wachsen nur schlecht oder gar nicht in unserem Gartenboden.

Während tropische Orchideen unter zehn Grad schon frösteln, können die folgenden Arten mehr oder weniger einfach im Garten gehalten werden (mehr dazu bei den Pflegetipps):

Epipactis (Stendelwurzen): Die Gattung der Stendelwurzen umfasst mehrere Arten, die in Mitteleuropa heimisch sind, und im Garten (zum Teil im Moorbeet) gut gedeihen.

Cypripendium (Frauenschuh): Frauenschuh-Orchideen mit ihren namensgebenden, hübschen, bauchigen Blüten sind winterhart und eignen sich für den Garten.

Dactylorhiza (Knabenkraut): Unter den Knabenkräutern (auch Kuckucksblumen oder Fingerwurzen) lassen sich mehrere Arten als Gartenorchideen pflegen. Sie verschönern Beete mit großen, traubigen Blütenständen.

Pleionen (Bergorchideen aus Tibet): Aus den harschen Regionen Tibets stammend, vertragen auch die Pleionen die Winter hierzulande gut. Eine große Zahl an Hybriden besticht mit besonders schönen und großen Blüten.

Asisatische Freiland-Orchideen: Im Handel findet man häufig weitere Orchideen, die aus Asien stammen und im Freiland gut gedeihen. Dazu gehören zum Beispiel die Gattungen Bletilla und Calanthe.

Moor-Orchideen: Zu den Moororchideen gehören Orchideen aus verschiedenen Gattungen, die alle einen sehr nährstoffarmen, feuchten Moorboden benötigen. Dazu gehören verschiedene einheimische Arten (zum Beispiel das Torfmoosknabenkraut oder die Echte Sumpfwurz), aber auch Orchideen-Gattungen aus Asien oder Amerika (Calopogon, Eleorchis, Pogonia, Spiranthes).

Die schönsten Zimmerorchideen

Bei den Zimmerorchideen gibt es Tausende und Abertausende von verschiedenen Sorten und Hybriden. Tagtäglich kommen neue hinzu. Im Folgenden werden daher nur einige, wenige Beispiele für beliebte Orchideengattungen gezeigt. Aufgrund der Vielfalt ist es nicht möglich, einen kompletten Überblick zu geben. Nicht alle Sorten sind immer und überall erhältlich, dafür kommen ständig neue Sorten in den Handel. Aber hoffentlich macht diese Übersicht Lust darauf, sich über weitere Orchideen zu informieren oder sich beim Händler des Vertrauens von seinem Sortiment inspirieren zu lassen.

Gattung Phalaenopsis – Die Schmetterlingsorchideen

Die Orchideen aus der Gattung Phalaenopsis gehören zu den bekanntesten und mit Abstand am meisten verkauften Vertretern der Zimmerorchideen. Und das zu Recht. Der Name Phalaenopsis leitet sich vom griechischen phalaina (Falter) und opsis (Anblick) ab, da die Blüten an tropische Schmetterlinge erinnern. Man findet eine Vielzahl von Hybriden, die sehr unterschiedliche Blütenfarben oder -muster und zum Teil auch besonders große Blüten haben. Phalaenopsis blühen zudem vergleichsweise lange.

Beispiele für interessante Sorten und Hybriden:

  • Phalaenopsis amboinensis und Phalaenopsis lueddemanniana – Auffällig gemusterte Blüten. Die Blüten dieser beiden Orchideenarten und deren Hybride sind ein echter Blickfang mit rötlichen, pinkfarbenen oder gelb-roten Streifen.
  • Phalaenopsis liodoro – Betörender Duft. Diese einfach zu pflegende Orchidee verströmt besonders zur Mittagszeit einen intensiven, zitrusartigen Duft.
  • Phalaenopsis violacea ‚alba‘ – Weiße Blütenpracht. Sehr hübsche, schneeweiße Blüten, zum Teil mit leicht pastellfarbenen Rändern.
  • Phalaenopsis Big Singolo’Purple‘ oder ‚White‘ – Beeindruckende Einzelblüte. Die „Big Singolo“ hält, was der Name verspricht. Während der Blütezeit trägt die sonst eher unscheinbare Orchidee eine einzelne, große und wunderschöne Blüte.
  • Phalaenopsis elegant – Sorten mit fantastischer Blütenvielfalt. Wunderschöne Sorten wie ‚Polka Dots‘ (weiß mit roten Punkten), ‚Dream Diamond‘ (künstlerisch anmutendes Muster in verschiedenen Pink- und Rosatönen) oder ‚Debora‘ (rote Blätter mit weißem Rand).

Cattleya – Südamerikanische Schönheiten

Die Gattung Cattleya ist nach dem englischen Orchideengärtner William Cattley benannt. In dieser Gattung findet man viele besonders schöne Orchideen, die sich oft auch für Anfänger eignen. Ihre Blütenfarben reichen von Weiß über Rot, Orange und aparte Muster bis hin zu einem strahlenden Blau. Zur Gruppe der Cattleya werden häufig auch noch weitere Orchideen hinzugerechnet, zum Beispiel Brassavola-. Laelia- oder Sophronitis-Arten.

Besonders schöne Cattleya-Arten und -Hybriden:

  • Cattleya forbesii – Blüten von Weiß bis Gelb. Es gibt unterschiedliche Sorten, die weiß (z. B. Sorte ‚alba‘) oder gelb (z.B. Sorte ‚aurea‘) blühen.
  • Cattleya amethystoglossa – Ausgefallene Blüten, oft in Pink und Lila. Sorten und Hybriden dieser Art haben große, auffällig gemusterte Blüten mit einem tollen Farbenspiel.
  • Cattleya guttata – Große Farbvielfalt. Diese kleinere Orchidee bietet Sorten von weiß (‚alba‘) über gefleckt (‚tigrina‘) bis zu einem besonders schönen Blauton (‚coerulea‘).
  • Cattleya intermedia – Auch für Anfänger geeignet. Diese Orchidee lässt sich relativ einfach pflegen und bietet viele Sorten mit hübschen Blütenfarben.

Cymbidium – Große Orchideen mit langen Blütenrispen

Zu der Gattung Cymbidium gehören einige mittelgroße bis sehr große Orchideen, die mitsamt Blütenstand bis zu 80 Zentimeter hoch werden können.

Sie stammen ursprünglich aus China. Heute werden sie aufgrund ihrer wunderschönen Blütenfarbe und langen Blütenrispen auch bei uns immer häufiger gezüchtet und im Handel angeboten.

Schöne Arten und Sorten sind unter anderem:

  • Cymbidium cascade – auffällig große, „kaskadenartig“ herabhängende Blütenstände in diverseren Farben (weiß, rosa).
  • Cymbidium Butterball – Blütenrispen mit zahlreichen gelben Blüten.
  • Cymbidium Kiwi Midnight ‚Geyserland‘ – dunkelste Cymbium, sehr auffällig, mit dunkelroten Blüten, die fast schwarz wirken.

Weitere interessante Orchideen-Gattungen

  • Dendrobium: Gattung mit zahlreichen wunderschönen und oft großwüchsigen Orchideensorten. Die wichtigsten Arten sind Dendrobium nobile und Dendrobium bigibbum.
  • Oncidium: Gattung, die häufig kleinere Orchideen mit mehreren, kleinen Blüten (oft in Gelbtönen) hervorbringt.
  • Paphiopedilum: Auf deutsch „Venusschuh“ genannt, erinnert die auffällige Blütenform dieser aus Asien stammenden Gewächse an unsere heimischen Frauenschuh-Orchideen.
  • Vanda: Aufgrund der wunderschönen, oft auffällig gemusterten Blüten häufig als Schnittblume genutzt. Auch im Topf kultivierbar, aber eignet sich weniger für Orchideen-Anfänger.

Welche Zimmerorchideen lassen sich gut kombinieren?

Wer einmal Gefallen an Zimmerorchideen gefunden hat, bei dem bleibt es oft nicht bei nur einer einzelnen Orchidee. Mit der Zeit macht man sich Gedanken, welche Arten gut nebeneinander wirken oder sich sogar einen Topf teilen könnten. Mit den folgenden Tipps gelingt die optimale Kombination verschiedener Orchideen.

In einem Topf? Nur schwer umsetzbar!

Zwei Orchideen im gleichen Substrat und im selben Topf zu halten, empfehlen Experten eher nicht. Orchideen haben sehr spezielle Pflegeansprüche und benötigen oft Unterstützung und kleine Anpassungen bei der Feuchtigkeit oder der Temperatur. Diese sind individuell nicht mehr möglich, wenn zwei Pflanzen im gleichen Topf stehen. Auch wenn eine Pflanze krank wird, muss man die an den Wurzeln verflochtenen Pflanzen mühsam trennen, was oft beide Orchideen nicht überstehen.

Die Pflanzschale: Gemeinsam und doch getrennt

Eine Alternative zum gemeinsamen Topf sind große Pflanzschalen, in die man mehrere Orchideentöpfe stellt. Diese kann man zugleich nutzen, um die Luftfeuchtigkeit für die Pflanzen zu erhöhen. Dazu füllt man eine Schicht Blähton (z.B. Seramis) in die Schale, füllt mit Wasser auf und stellt darauf die Töpfe (sie sollen nicht ins Wasser eintauchen). Mit Moos, Kies oder anderem Dekorationsmaterial lässt sich das Arrangement so abdecken, dass es wie ein gemeinsamer Topf wirkt.

Dennoch sollte man auch hier nicht zu „wild“ mischen. Orchideen verschiedener Gattungen haben oft sehr unterschiedliche Ansprüche an das Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Was aber meist gut funktioniert, ist die Kombination verschiedener Orchideen mit ähnlichen Wasser- und Lichtansprüchen, die auch zeitgleich blühen. Wie wäre es mit einem Arrangement mit drei verschiedenen Phalaenopsis mit unterschiedlicher Blütenfarbe?

Ein Orchideenfenster gestalten

Auf einem Fensterbrett kann man Orchideen auch einfach kombinieren, indem man sie nebeneinanderstellt und damit ein Orchideenfenster gestaltet.

Tipps zur Gestaltung eines Orchideenfensters:

  • West- und Ostfenster eignen sich für die meisten Orchideen am besten.
  • Schmale Fensterbretter kann man durch Auflegen von Holzplatten vergrößern.
  • Kleine Arten nach vorne, größere Arten nach hinten stellen.
  • Blütenfarben kombinieren, die entweder ähnlich sind oder einen schönen Kontrast darstellen.
  • Auf gleiche Blühzeiten achten oder – noch besser – erst dann zusammenstellen, wenn die Blüte bereits begonnen hat.
  • Auch auf das Design der Töpfe achten, damit diese gut zusammenpassen.
  • Das Arrangement lässt sich gut mit ausgewählten Dekorationsstücken auflockern.
  • Auf dem Fensterbrett auf die Orientierung der Pflanzen achten: Soll das Arrangement von innen oder von draußen betrachtet die optimale Wirkung haben?
  • Sehr große und besonders auffällige Orchideen gehen in Kombinationen leicht unter. Sie wirken einzeln oft besser.

Quellen:

(1) AHO (Arbeitskreise Heimischer Orchideen) http://www.orchideen-deutschlands.de/index.php/die-orchidee-des-jahres-2017

(2) NABU Deutschland. „Anschauen ja, pflücken nein. Orchideen sind ein Zeichen für naturnahe Lebensräume.“ https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenwissen/19313.html

Pflege von Orchideen im Freiland

Orchideen werden heute häufig in Innenräumen gepflegt und sind als Zimmerpflanzen in fast jedem Gartencenter erhältlich. Gartenorchideen hingegen sind immer noch etwas ganz Besonderes. Damit Orchideen sich im Freien gut entwickeln, sollte man auf eine durchdachte Auswahl der Arten und die richtige Pflege achten.

Welche Arten eignen sich?

Im vorangegangenen Kapitel wurden bereits einige Orchideengattungen vorgestellt, die sich für die Pflege im Garten eignen. Bei der Auswahl sollte beachten:

  • Einheimische oder winterharte Arten wählen.
  • Genau auf die Pflegebeschreibung achten. Im Zweifelsfall noch einmal recherchieren, welche Ansprüche die gekaufte Orchidee hat.
  • Sollen es einheimische Arten sein, die so auch in der Natur vorkommen und für die man den natürlichen Standort nachbildet? Oder möchte man auf exotischere und dennoch winterharte Orchideen oder ausgefallene Hybrid-Züchtungen setzen?
  • Orchideen sind oft etwas heikel in der Pflege. Anfänger sollten Arten wählen, die relativ robust und einfach zu halten sind.
  • Es kann trotz bestmöglicher Pflege geschehen, dass nicht alle Orchideen sich im Freiland optimal entwickeln. Boden, Licht und Temperatur sind regional sehr unterschiedlich. Wächst eine Art besonders gut, lohnt es sich oft, weitere Pflanzen dieser Art oder Gattung zu kaufen und damit „schwächelnde“ Orchideen zu ersetzen.

Standort, Pflege und Tipps zur Überwinterung

Orchideen haben speziellere Ansprüche an ihren Standort, als viele andere Pflanzen im Garten. Beachtet man einige Punkte, wird man jedoch mit wunderschönen Blüten belohnt. Grundsätzlich gilt: Die folgenden Angaben sind nur grobe Richtwerte und können von Art zu Art abweichen.

Der richtige Standort und Boden

Am besten eignet sich ein halbschattiger Standort, der zur heißesten Tageszeit (11 bis 15 Uhr) keiner direkten Sonne ausgesetzt ist. Ideal sind Hecken oder Sträucher in der Nähe, die vor Wind schützen und in der Mittagszeit Schatten spenden. Bodendecker können die empfindlichen Wurzeln beschatten und vor dem Austrocknen schützen. Einige Arten wie Epipactis und Bletilla gedeihen aber auch gut an sonnigeren Standorten.

Der Boden sollte individuell an die zu pflanzenden Arten angepasst werden. Am besten kombiniert man Arten, die ähnliche Ansprüche haben. Zum Beispiel bevorzugt der Fauenschuh (Cypripedium) einen kalkreicheren Boden mit höherem pH-Wert. Wichtig ist, dass der Boden wasserdurchlässig ist und sich keine Staunässe bildet. Lehmige Böden sind weniger geeignet und können durch Beimischen von Sand oder Lavagranulat aufgelockert werden. Niemals Komposterde oder Humus untermischen, denn Orchideen lieben nährstoffarme Böden. Normale Garten- oder Blumenerde sind für Orchideen tabu.

Ein- und Umpflanzen

Orchideen kann man im Herbst oder im zeitigen Frühjahr in den Garten setzen. Zum Einpflanzen einer Orchidee hebt man eine Grube von etwa 40 Zentimeter Tiefe aus und füllt diese zu einem Drittel mit einer Drainageschicht (grober Kies, Steine oder Blähton). Darauf kommt ein Pflanzsubstrat, das auf die jeweilige Orchideenart abgestimmt sein sollte.

Praxis-Tipp: Fertige Substratmischungen sind im Handel erhältlich. Es gibt für fast jede Orchideenart aber auch spezielle Empfehlungen für selbstgemischte Substrate, die von Liebhabern und Züchtern oft jahrzehntelang erprobt wurden.

Nach dem Einsetzen der Orchidee und Auffüllen des Loches mit Substrat, kann man die Oberfläche noch mit Blähton abdecken. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern hält die Oberfläche auch feucht und schützt vor dem Austrocknen.

Umpflanzen sollte man vermeiden, da viele Orchideen (zum Beispiel Cypripidium) Verletzungen im Wurzelbereich nur schlecht tolerieren. Andere Gattungen wie Epipactis und Bletilla kann man dagegen recht gut teilen und umpflanzen. Dafür gräbt man die umzusetzende Orchidee vorsichtig aus, reinigt die Pflanze und geht dann vor wie oben beim Einpflanzen beschrieben.

Gießen und Düngen

Bei der Bewässerung und beim Düngen gelten zwei relativ einfache Regeln, die man je nach Orchideenart aber individuell an die jeweiligen Pflegeempfehlungen anpassen sollte:

  • Freiland-Orchideen so viel und so oft Gießen, dass der Boden im Wurzelbereich nicht komplett durchtrocknet. Staunässe aber unbedingt vermeiden! Das lässt sich im Hochsommer oft nicht leicht umsetzen. Praxis-Tipp: Oft und dafür weniger gießen sowie den Boden mit anderen Pflanzen oder einer Schicht aus Blähton beschatten und vor dem Austrocknen schützen.
  • Beim Düngen gilt: Weniger ist mehr. Einige Arten benötigen gar keinen Dünger oder nur speziellen Orchideendünger in einer auf die Orchideenart abgestimmten Dosierung. Im ersten Jahr nach dem Auspflanzen sollte man gar nicht düngen.

Überwintern von Garten-Orchideen

Viele Orchideen, die man im Garten anpflanzen kann, sind frostresistent und überstehen normale Winter hierzulande unbeschadet (z.B. Cypripedium). Sie profitieren aber häufig von einem Nässeschutz, zum Beispiel einer auf vier Stützen aufgelegten, frostfesten Plexiglasplatte. Trockenheit im Winter regt die Orchideen zur Blüte an. Zeigen sich erste neue Triebe, sollte man diese im Winter oder bei Spätfrösten im Frühjahr schützen (zum Beispiel mit Reisigzweigen abdecken oder das Substrat um die jungen Triebe herum anhäufeln).

Epipactis, Dactylorhiza und Gymnadenia kommen oft auch ganz ohne Schutz gut durch den Winter.

Andere Gattungen wie Bletilla und Pleione benötigen bei Minusgraden einen Schutz. Hier eignen sich die im Handel überall erhältlichen Pflanzenvliese, das man in mehreren Lagen direkt auf den Boden legt (mit Steinen am Rand fixieren). Darüber legt man als Nässeschutz eine Folie oder nutzt, wie oben beschrieben, eine Plexiglasplatte.

Ein Moorbeet anlegen

Es gibt viele Orchideen für das Freiland, die in der Natur in Moorgebieten wachsen. Auch diese lassen sich im heimischen Garten pflegen, wenn man ein Hochmoorbeet anlegt. Bei diesem besteht der Boden aus Torf. Der pH-Wert ist sauer. Ein Moorbeet erfordert etwas Aufwand, das Vorgehen entspricht dem Anlegen eines kleinen Teiches.

So legt man ein Hochmoorbett an:

  • Eine Stelle auswählen, die in der Sonne oder im Halbschatten liegt.
  • Moorbeet am besten im Herbst anlegen, über Winter „setzen“ lassen und erst im Frühjahr bepflanzen.
  • Substrat vorbereiten: Keinen Dünger oder gedüngte Erde verwenden, der Boden besteht aus Torf (am besten Weißtorf oder Hochmoortorf). Torf so lange wässern, bis er sich vollgesaugt hat (mindestens über Nacht).
  • Grube ausheben und darin entweder eine vorgefertigte Teichschale versenken oder – etwas aufwändiger – mit Teichfolie auskleiden. Die Tiefe sollte mindestens 60 Zentimeter betragen.
  • Wasserspeicher anlegen: Einen Eimer umgedreht in die tiefste Stelle des Beetes stellen (er soll später ganz bedeckt und nicht mehr sichtbar sein) und von oben bis unten mit Löchern versehen. Der Eimer läuft voll Wasser, bei Trockenheit wird die Flüssigkeit durch die Löcher hindurch in das Moorbeet abgegeben. Bei großen Beeten können zwei oder drei Eimer passender Größe an verschiedenen Stellen eingesetzt werden.
  • Optional: in die Mitte des Eimerbodens ein größeres Loch schneiden und einen Schlauch hindurchführen, der später aus dem Beet hinausragt (er kann mit Pflanzen kaschiert werden) und durch den im Hochsommer Wasser nachgefüllt werden kann.
  • Beet bis zur Oberkante der Teichschale mit Torf füllen und diesen auch zwischen Eimer und Beetrand gut festdrücken.
  • Der pH sollte je nach Pflanzenart in der Regel <5,0 sein. Er steigt aber nach einiger Zeit langsam aber stetig an, zum Beispiel durch das Regenwasser. Den pH-Wert deshalb regelmäßig überprüfen und bei Bedarf mit Spezialprodukten aus dem Handel oder ganz einfach mit Essig nachsäuern.

Im Moorbeet lassen sich nicht nur Orchideen, sondern auch viele fleischfressende Pflanzen (Sonnentau, Venusfliegenfalle) und andere Moorpflanzen wie Schwertiris oder Farne pflegen.

Orchideen auf Balkon und Terrasse

Viele Freilandorchideen lassen sich auch in Töpfen oder Blumenkästen auf dem Balkon oder der Terrasse pflegen und zur Blüte bringen. Im Vergleich zum Auspflanzen in den Garten hat das sogar Vorteile, denn die Pflanzen können bei Hagel oder extremer Hitze an geschützte oder schattige Orte gestellt werden. Doch es gibt auch einige Punkte, die man beachten sollte:

  • Töpfe, Kübel und Kästen erwärmen sich schneller in der Sonne und trocknen schneller aus. Man sollte im Sommer daher oft, aber nicht zu viel gießen.
  • Am Boden der Töpfe sollten immer Löcher und unbedingt eine Drainageschicht vorhanden sein (mehr Tipps dazu im Kapitel „Pflege von Zimmerorchideen“).
  • Wasser läuft in Töpfen und Kübeln nur langsam ab. Staunässe durch übermäßige Gießen oder Dauerregen sollte unbedingt vermieden werden.
  • Das passende Substrat sollte je nach Orchideenart individuell ausgewählt werden.
  • Orchideen mögen nährstoffarme Böden. In Töpfen ist das Substrat jedoch so begrenzt, dass Nährstoffe schnell gänzlich verbraucht werden und zusätzlich durch den Regen ausgewaschen werden. Deshalb ist regelmäßiges aber mäßiges Nachdüngen mit speziellem Orchideendünger sinnvoll.
  • Im Winter sind die Wurzeln in Töpfen besonders frostgefährdet. Kübel sollten geschützt werden, zum Beispiel mit Styropor-Umhüllungen oder durch die Verwendung spezieller doppelwandiger Pflanzkübel.
  • Ein Überwintern in beheizten Räumen ist nicht sinnvoll, da die Orchideen dann zu früh wieder austreiben.
  • Cypripedium-Arten tolerieren es nicht gut, wenn das Wurzelwachstum zu stark eingeschränkt ist. Hier sollten ausreichend große Töpfe, breite Schalen oder Blumenkästen verwendet werden.

Pflege von Zimmerorchideen

Die überwiegende Zahl der hierzulande verkauften Orchideen wird im Zimmer gepflegt. Das Herausfordernde aber zugleich auch Faszinierende an den Pflanzen sind ihre nicht ganz alltäglichen Ansprüche, die sie von allen anderen Zimmerpflanzen unterscheiden.

Voraussetzungen und Grundlagen der Orchideenpflege

Orchideen sind zwar schwieriger zu pflegen als viele gängigen Zimmerpflanzen, doch viele lassen sich mit etwas Wissen gut auf dem Fensterbrett kultivieren und zur Blüte bringen. Dazu sollte man jedoch vorab einige Punkte beachten.

Tipps zum Orchideenkauf

Orchideen erhält man heute fast überall. Beim Kauf sollte man jedoch auf einige Punkte achten:

  • Gattung und Art sollten genau bezeichnet sein.
  • Es sollte eine Pflegeanleitung mitgeliefert werden.
  • Pflanzen mit abgerissenen Blättern, beschädigten Wurzeln oder sichtbarem Schädlingsbefall meiden.
  • Orchideen tolerieren kalte Temperaturen nur schlecht. Gekaufte Orchideen sollte man im Winter auf der Heimfahrt vor Kälte schützen. Gute Online-Händler versenden nicht bei Minusgraden.
  • Ist eine Orchideenausstellung in der Nähe, lohnt sich der Besuch. Hier erhält man nicht nur unzählige, interessante Arten, sondern auch wertvolle Tipps und Pflegehinweise.
  • Vor dem Kauf überlegen, welche Bedingungen (Temperatur, Licht, usw.) man bieten kann und passende Art auswählen.

Benötigt man Zubehör?

Als Anfänger ist zunächst kaum Zubehör oder spezielle Ausstattung nötig. Später sind ein Thermometer und ein Hygrometer (zum Bestimmung der Luftfeuchtigkeit) sinnvoll. Echte Experten nutzen mehr Zubehör. Sie messen die Leitfähigkeit des Gießwassers, kühlen ihre Pflanzen im Hochsommer mit kleinen Klimaanlagen und besitzen Mini-Gewächshäuser für ihre Jungpflanzen.

Hält meine Orchidee eine Winterruhe / Ruhephase?

Viele Orchideen legen jährlich eine Wachstumspause ein, die oft in den Winter fällt. Das tun jedoch nicht alle Orchideen (Phalaenopsis benötigt keine Ruhephase). Käufer sollten sich bei neu gekauften Orchideen deshalb immer über den individuellen Wachstumszyklus informieren. In der Ruhephase werden die Orchideen weniger gegossen und nicht gedüngt. Das Einhalten der Winterruhe ist bei diesen Arten die Grundvoraussetzung für die Blüte.

Orchideen richtig pflegen

Die Orchideenpflege hängt individuell von der Orchideenart ab. Im Folgenden finden Orchideenfans viele Tipps, die auf verschiedene gängige Orchideen zutreffen. Es ist jedoch immer ratsam, gerade bei selteneren Arten in die Pflegeanleitungen zu schauen oder die individuellen Ansprüche im Internet zu recherchieren.

Der richtige Standort für Orchideen

Orchideen mögen es sonnig, vertragen aber direkte Mittagssonne oft schlecht. Daher ist ein Platz an einem unbeschatteten West- oder Ostfenster für viele Arten ideal. Steht nur ein Südfenster zur Verfügung, kann man bei Händlern nach Orchideen fragen, die es sonniger mögen (z. B. bestimmte Cattleya-Arten). Es ist auch möglich, für mehr Schatten zu sorgen, indem man größere Pflanzen vor oder neben die Orchidee stellt. An einem Nordfenster kann man Orchideenarten wählen, die es schattiger mögen (Masdevallia, Miltonia) oder mit einer kleinen Pflanzenlampe für mehr Licht sorgen.

Luftfeuchtigkeit: Orchideen mögen es feucht

Die Luftfeuchtigkeit ist die Menge an Wasser, die in der Umgebungsluft enthalten ist. Sie ist für Orchideen ganz besonders wichtig. Viele Orchideenarten stammen aus den Tropen und Subtropen. Sie sind deshalb auf eine hohe Luftfeuchte eingerichtet. Sie bilden Luftwurzeln, mit denen sie Wasser aus der Luft ziehen können.

Bei der Luftfeuchtigkeit gilt:

  • Sie sollte bei mindestens 40, für viele Arten besser bei 60 bis 80 Prozent liegen. Messen kann man sie mit einem Hygrometer, das man direkt neben die Pflanzen stellt.
  • Bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit für Luftbewegung sorgen (zum Beispiel mit einem Ventilator). Sonst können Substrat und Pflanzen schimmeln.

So erhöht man die Luftfeuchtigkeit:

  • Ansprühen: Nicht zu oft und nur mit feinem Nebel sprühen, denn viele Orchideen mögen keine nassen Blätter, vor allem nicht in der kühleren Jahreszeit. Das Wasser sollte nicht kalkhaltig sein (mehr zum richtigen Wasser unter dem Punkt „Gießen“).
  • Töpfe mit einem doppelten Boden nutzen (siehe Abschnitt „Der richtige Topf“) oder Wasserschalen neben den Pflanzen aufstellen.
  • Besonders empfindliche Orchideen oder Jungpflanzen kann man in Mini-Aquarien oder kleine Gewächshäuser stellen, wo die Luftfeuchtigkeit deutlich höher ist.
  • Liebhaber mit vielen, seltenen oder schwer zu pflegenden Arten verwenden oft auch elektronische Luftbefeuchter (Vernebler).
  • Für echte Profis eignen sich Beregnungsanlagen, die vor allem in großen Orchidarien, Gewächshäusern oder Wintergärten zum Einsatz kommen.

Spezielle Orchideensubstrate

Die meisten Orchideen wachsen als Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) auf tropischen Bäumen. Das bedeutet, dass sie nicht an das Wachstum in Böden angepasst sind. Um Wasser aus der Luft zu ziehen, bilden viele Orchideenarten Luftwurzeln aus. Diese Wurzeln würden in normaler Erde schnell verfaulen. Ein absolutes No-Go für Orchideen ist gedüngte Blumenerde. Spezielle Orchideensubstrate sind nährstoffarm und enthalten grobe Stücke, damit die Wurzeln gut durchlüftet werden.

Man kann unterschiedliche Substratmischungen im Handel kaufen, auf denen man Angaben findet, für welche Orchideen sie sich eignen. Wer seltenere Arten pflegen möchte, sollte sich vom Verkäufer Empfehlungen für das beste Planzsubstrat geben lassen.

Viele Liebhaber mischen ihre Substrate auch selbst. Eine selbstgemachte Mischung, die sich gut für viele Phalaenopsis eignet:

  • 60 % Rindenstücke: Erhöhen die Durchlässigkeit. Die Größe der Stücke sollte geringer sein, je kleiner der Topf und je dünner die Wurzeln der Orchidee.
  • 20 % Blähton (Pflanzgranulat, zum Beispiel Seramis): Speichert Wasser
  • 10 % Perlite: Bindet Wasser und verbessert die Luftdurchlässigkeit
  • 10 %Holzkohle: Bindet Giftstoffe und lockert den Boden auf

Allerdings hat hier jeder Orchideenfreund sein eigenes Rezept und jede Orchideenart ihre eigenen Ansprüche.

Aufbinden auf Ästen oder Rindenstücken

Einige epiphytische Orchideen lassen sich auch direkt auf einem Ast oder auf großen Rindenstücken aufbinden und dort kultivieren. Sie benötigen dann aber mehr Pflege, da sie Feuchtigkeit nicht mehr aus dem Substrat ziehen können. Man sollte häufig Sprühen, die Pflanzen neben einem Luftbefeuchter platzieren oder Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit nutzen (Gewächshäuser, Wintergärten oder das Badezimmer).

So geht man beim Aufbinden vor:

  • Zum Aufbinden eignen sich Naturkorkäste oder Korkeichenrinde, Mangrovenwurzeln, aber auch Korkplatten, Baumfarnplatten oder mit Kokosfasern ummantelte Bambusrohre, die bei gut sortierten Orchideenhändlern erhältlich sind.
  • Wenn das Arrangement später aufgehängt werden soll, vorher an Haken oder Löcher denken.
  • Orchidee samt Topf in weiches Wasser eintauchen. Topf abziehen und Substratreste entfernen.
  • Auf den Ast etwas Fasertorf oder Sphagnum-Moos als Polster legen und mit einem Draht oder Faden befestigen.
  • Orchidee daraufsetzen und mit dehnbarem Material (Streifen eines Nylonstrumpfes oder spezielles Orchideenband aus dem Handel) befestigen. Die Wurzeln dabei möglichst nicht knicken oder beschädigen.

Der richtige Topf und das richtige Fensterbrett

Spezielle Orchideentöpfe haben oft einen Zwischenboden, auf dem die Pflanze aufsitzt. Dadurch läuft überschüssiges Wasser nach unten ab und es entsteht keine Staunässe. Das lässt sich jedoch auch selbst nachbauen: Man wählt einen Übertopf, der deutlich größer als der Orchideentopf ist, und füllt diesen mit Blähton und etwas Wasser. Darauf kommt der Orchideentopf, der nicht in das Wasser eintauchen darf. Dadurch erhöht man um die Pflanze herum die Luftfeuchtigkeit, während gleichzeitig „nasse Füße“ und Wurzelfäule vermieden werden. Wo Wasser ist, gedeihen aber auch Pilze und Bakterien. Daher sollte man Wassergefäße alle ein bis zwei Monate gründlich ausspülen.

Neben dem praktischen Aspekt spielt bei Orchideengefäßen aber auch die Optik eine große Rolle. Möchte man die teils sehr filigranen Pflanzen mit ihren schönen Blüten optimal zur Geltung bringen, eignen sich hohe, schmale Töpfe, deren Farbe mit der Blütenfarbe harmoniert. Auch Glasgefäße sind möglich, die den Blick auf das Substrat und die Wurzeln zulassen.

Umtopfen von Orchideen: Alle 2 bis 3 Jahre

Generell empfiehlt sich, Orchideen alle zwei bis drei Jahre umzusetzen. Das Substrat verrottet mit der Zeit und Salze aus dem Gießwasser sammeln sich an.

Grundsätzlich gilt:

  • Vorsichtig vorgehen und nur maximal alle 2 Jahre umtopfen, denn manche Orchideen tolerieren Verletzungen der Wurzeln nur schlecht.
  • Am besten Umtopfen, wenn gerade die frischen Triebe erscheinen (Frühjahr). Niemals während der Blüte!
  • Immer sofort umtopfen, wenn die Wurzeln faulen, Schädlinge sichtbar sind oder das Wasser im Topf veralgt (grün) oder schleimig aussieht.

So geht man beim Umtopfen am besten vor:

  • Einen Tag vor dem Umtopfen kräftig gießen.
  • Topf drehen und kneten, bis die Wurzeln sich lösen.
  • Pflanze vorsichtig herausheben. Zur Not Topf aufschneiden.
  • Wurzeln sanft abklopfen und von altem Substrat befreien. Sind Wurzeln fest mit Substratstücken verwachsen, verbleiben diese Teile im Topf.
  • Beschädigte, verfaulte oder vertrocknete Wurzelteile abschneiden. Nicht in gesunde Wurzeln schneiden.
  • Sind Schädlinge vorhanden, die Pflanze für einige Stunden wässern (komplett in einen Wassereimer eintauchen), damit die Schädlinge ersticken.
  • In einen größeren Topf umsetzen, der zur Hälfte mit dem passenden Substrat gefüllt ist.
  • Um die Pflanze herum mit Substrat auffüllen.
  • Für mindestens drei Tage nicht gießen und einen Monat nicht düngen. Ansprühen ist möglich, wenn es zu trocken wird.

Orchideen richtig gießen

Das richtige Maß bei der Versorgung mit Wasser ist das A und O für das Wachstum und die Gesundheit der Orchideen. Dabei sollte man Folgendes beachten:

Weiches Wasser verwenden

Orchideen sollte man immer mit weichem Wasser gießen. Am besten eignet sich Regenwasser, doch das kann nicht jeder sammeln. Wer Orchideen mit Leitungswasser gießen möchte, sollte vorher seine lokalen Wasserwerte überprüfen. Ist das Wasser härter als 8 °dH (Grad deutsche Härte), sollte man es mit destilliertem Wasser mischen. Als Faustregel gilt:

  • Mittelhartes Wasser (8-20 °dH): Halb-halb Mischung aus Leitungswasser und destilliertem Wasser
  • Sehr hartes Wasser (20-30 °dH): Ein Drittel Leitungswasser, zwei Drittel destilliertes Wasser

Alternativ eignen sich Wasserfilter, die man für Kaffee- oder Teewasser im Handel relativ günstig bekommt. Experten und Züchter nutzen große Ionentauscher oder Umkehrosmoseanlagen.

Nicht zu viel gießen

Orchideen mögen zwar eine hohe Luftfeuchtigkeit, doch keine Staunässe um die Wurzeln. Gelegentliches komplettes Austrocknen überstehen Orchideen besser, als wenn die Wurzeln dauerhaft zu feucht sind. Das gilt vor allem für die Arten mit Bulben (verdickte Teile am Stängel, die Wasser speichern). Darum gilt: Orchideen mit Bulben immer erst gießen, wenn der Wurzelballen komplett trocken ist. Das kann je nach Jahreszeit unterschiedlich lang dauern.

Tauchen statt Gießen

Eine gute Alternative zum herkömmlichen Gießen ist das Eintauchen von Orchideen. Dabei wird der gesamte Topf mit dem Wurzelballen in ein Gefäß mit weichem Gießwasser, das Raumtemperatur hat, eingetaucht (nur langsam bis zum Topfrand eintauchen, damit das Substrat nicht wegschwimmt). Alternativ kann man auch den Übertopf bis zum Rand mit Wasser füllen. Ist das Substrat komplett vollgesogen, noch fünf Minuten im Wasser lassen, dann Wasser entfernen und den Topf gut abtropfen lassen, bevor er wieder in seinen Übertopf kommt.

Tauchen muss man die Orchidee je nach Topfgröße, Pflanze und Temperatur etwa einmal pro Woche.

Regelmäßiges Düngen ist notwendig

Orchideen, die in der Natur auf Bäumen sitzen, haben dort nicht den nährstoffreichen Boden, den Landpflanzen nutzen können. Daran haben sie sich im Lauf der Evolution so angepasst, dass sie in zu nährstoffreichen Substraten nicht überleben.

Pflegt man Orchideen im Topf, ist dennoch regelmäßiges Düngen notwendig. Die Umgebung ist hier so begrenzt, dass die Pflanze schnell alle verfügbaren Nährstoffe aus dem Substrat gezogen hat. Allerdings gilt hier: Niedrig dosiert und nicht zu oft düngen. Anfänger sollten sich speziellen Orchideendünger besorgen und die Dosierung an die Orchideenart und die Anweisung auf dem Dünger anpassen.

Experten beginnen im Frühjahr zunächst mit sehr wenig verdünntem Dünger und steigern die Menge in den nächsten Wochen langsam. Während der Blüte kann auf einen speziellen „Blühdünger“ umgestellt werden, der meist mehr Phosphor enthält.

Beschneiden und Pflege nach der Blüte

Ist die Orchidee verblüht, hängt es von der individuellen Art ab, wie man weiter vorgeht. Dieser Schritt kann grundlegend wichtig sein, damit die Pflanze erneut blüht.

  • Phalaenopsis und viele Oncidium sollte man nach der Blüte nicht beschneiden, denn am alten Blütenstand können sich wieder neue Blüten bilden. Völlig braune, abgestorbene Teile kann man aber entfernen.
  • Orchideen mit Winterruhe (z. B. Dendrobium) bilden während ihrer Ruhephase keine neuen Triebe oder Blüten. Bei diesen Pflanzen entfernt man die alten Blüten sofort. Sie treiben nach Abschluss der Winterruhe neu aus.

Checkliste: Die wichtigsten Punkte der Orchideenpflege in Kurzform

  • Verkäufer bevorzugen, die die genaue Art angeben und eine Pflegeanleitung mitgeben
  • Spezielles und auf die Art abgestimmtes Orchideensubstrat verwenden
  • An ein West-oder Ostfenster stellen
  • Für höhere Luftfeuchtigkeit sorgen oder regelmäßig sprühen
  • Regelmäßig Gießen oder einmal wöchentlich in Wasser tauchen
  • Zum Gießen weiches Wasser / Regenwasser verwenden
  • Alle zwei bis drei Jahre umtopfen (Frühjahr) und Substrat erneuern.
  • Mit Orchideendünger in der Wachstumsphase regelmäßig düngen
  • Ruhephase beachten, wenn nötig (Phalaenopsis brauchen keine Winterruhe)

Checkliste: Die häufigsten Fehler bei der Orchideenpflege

  • Die Orchidee wird ohne genaue Angabe der Art gekauft (dadurch ist bei Wachstumsproblemen keine Recherche der optimalen Pflege möglich)
  • Kein Orchideensubstrat oder falsches Substrat verwendet
  • Zu viel Sonne (Südfenster) oder zu wenig Licht
  • Zu viel Dünger oder es wird gedüngte Erde verwendet
  • Bei Arten mit Ruhephase wird keine Winterruhe eingehalten
  • Falsches oder zu frühes Beschneiden nach der Blüte
  • Zu viel Gießen führt zu Staunässe und Wurzelfäule
  • Töpfe ohne Drainage führen zu Staunässe und Wurzelfäule

Checkliste: Was tun, wenn die Orchidee nicht blüht?

  • Überprüfen, ob diese Orchideenart eine Ruhephase (Winterruhe) benötigt, in der kaum gegossen und nicht gedüngt wird.
  • Auf das richtige Beschneiden der Orchidee achten (siehe „Beschneiden und Pflege nach der Blüte“). Nach der Blüte bei Phalaenopsis keine noch lebenden Blütenstände abschneiden, daran können sich neue Blüten bilden.
  • Lichtverhältnisse überprüfen (im Sommer nur Morgen- oder Abendsonne).
  • Temperatur (Nacht / Tag) sowie Luftfeuchtigkeit messen und mit den Ansprüchen der Orchideenart abstimmen.

Orchideen vermehren

Die meisten Orchideenhalter werden nur mit der vegetativen Vermehrung Erfahrungen machen, die im Folgenden näher beschrieben wird. Wer daran Freude hat, kann sich später näher mit der generativen Vermehrung (durch Samen) auseinandersetzen, die deutlich aufwändiger ist.

Tipps zur vegetativen Vermehrung:

  • Kommen Messer oder Scheren zum Einsatz, sollte man sie immer vorher desinfizieren.
  • Jungpflanzen am besten in ein Mini-Aquarium oder Mini-Gewächshaus mit Abdeckung stellen, bis sie größer sind. Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Die drei häufigsten Arten der vegetativen Vermehrung:

  • Kindel (Keiki): An Bulben (bei Dendrobium, Calanthe, Epipendrum) oder an den Blütenständen (bei Phalaenopsis) bilden sich die „Kindel“, kleine Ableger mit Blättchen und Wurzeln. Hat ein Kindel mindestens zwei Blätter und einige Zentimeter lange Wurzeln, vorsichtig abtrennen und in ein feines Jungpflanzen-Substrat setzen.
  • Teilen: Orchideen, die keine Kindel bilden, kann man beim Umtopfen vorsichtig teilen, wenn sie mindestens acht Bulben und zwei neue Triebe haben. Pflanzen unter Vermeidung von Beschädigungen vorsichtig auseinanderziehen und in zwei neue Töpfe setzen (Tipps dazu: siehe „Umtopfen von Orchideen“).
  • Rückbulben (Pseudobulben): Beim Umtopfen kann man Rückbulben (als grüne, kugelige Auswüchse erkennbar) abschneiden und in Substrat setzen. Manchmal, aber nicht immer, wachsen daraus neue Orchideen heran.

Mangelversorgung, Krankheiten und Schädlinge: Eine kurze Übersicht

Wenn die Orchidee schlecht wächst und nicht gut aussieht, sollte man an Faktoren wie die Gießhäufigkeit, die Temperatur und das Licht denken. Es ist immer hilfreich, wenn man die exakte Orchideenart kennt, die Ansprüche dieser speziellen Orchidee nachliest und Erfahrungsberichte von Orchideenzüchtern studiert.

Häufige Symptome und mögliche Ursachen:

  • Verfaulte Wurzeln: Das wird fast immer durch Staunässe (zu dichtes Substrat, zu viel Gießen) ausgelöst.
  • Kleine, braune Flecken auf den Blättern oder Blüten: Hinweis auf Pilzerkrankungen, die sich mit entsprechenden Fungiziden behandeln lassen (am besten einen Fachmann zu Rate ziehen). Es können aber auch Bakterien oder Viren schuld sein. In jedem Fall die Pflanze zunächst separat stellen, damit andere Orchideen nicht angesteckt werden.
  • Größere braune oder helle Stellen auf der Blattoberseite: Das kann Sonnenbrand sein, die Pflanze sollte schattiger gestellt und nicht bei Sonneneinstrahlung angesprüht werden.
  • Sichtbare Schädlinge: Schildläuse, Blattläuse und andere Schädlinge erkennt man mit dem Auge, Spinnmilben an ihrem Gespinst. Je nach genauer Schädlingsart sollte man sich spezifische Hinweise zur Bekämpfung von Fachleuten geben lassen. Manchmal reicht gründliches Waschen oder längeres Untertauchen (eine Stunde) um Schädlinge zu beseitigen.
  • Welke Blätter oder Blattabwurf: Mögliche Ursachen sind Lichtmangel, zu starkes Austrocknen oder ein ungeeignetes, zu dichtes Substrat.
  • Ziehharmonikablätter / Knitterblätter: Häufig durch zu viel Sonne, zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder zu unregelmäßiges Gießen bedingt.

Bei Krankheitssymptomen, die sich nicht so einfach zuordnen lassen, lohnt es sich im Zweifelsfall, bei Experten nachzufragen.