Rasen anlgegen - Standort

Eine gepflegte, grüne Rasenfläche gehört zu den klassischen Bestandteilen vieler Gärten, denn ein schöner Rasen wertet den kleinen Vorgarten ebenso auf wie den weitläufigen Landschaftsgarten mit Blumen, Hecken und Bäumen. Bei der Neuanlage einer Grünfläche ergibt sich die Größe und der Standort auf einem Grundstück beinahe zwangsläufig, da der Rasen mit anderen Gegebenheiten wie Wohnhaus, Garage, Zufahrt/Wege, Terrasse, Nutzgarten, Baumbestand oder Gartenteich konkurrieren muss.

Für die Rasenfläche bleibt daher oft nur ein Grundstücksteil übrig, der keine optimalen oder stark wechselnde Bedingungen aufweist. Wie alle Pflanzen benötigt der Rasen für ein gutes Wachstum und für eine gute Ernährung bestimmte Voraussetzungen; die wichtigsten Standortfaktoren zeigt die folgende Aufstellung:

  • Bodenaufbau
  • Wasserhaushalt
  • Hangneigung
  • Exposition
  • Licht-/Schattenverhältnisse

Der richtige Boden

Bei einer Neuanlage des Rasens sollten diese Standortbedingungen bereits vor der eigentlichen Aussaat berücksichtigt werden, um den geeigneten Rasentyp (z. B. Schattenrasen, Trockenrasen, Rollrasen) auswählen zu können; eine sorgfältige Vorarbeit ist hier notwendig, damit die Rasenfläche ihre Funktion als Erholungs- und Freizeitraum dauerhaft ausüben kann. Physikalische und chemischen Bodenanalysen geben Aufschluss über die Zusammensetzung des Untergrundes, sodass durch gezielte Maßnahmen die Bodenqualität erhöht und für das Rasenwachstum optimiert werden kann. Folgende Arbeiten können zu einer Bodenverbesserung beitragen:

  • mechanische Auflockerung
  • Durchmischung mit Sand
  • Einbringen von Kompost oder Humus
  • Kalken
  • Düngen
  • Errichtung von Drainagen

Bei einem bereits fertig angelegten Rasen bringen Arbeitsmaßnahmen wie Vertikutieren, Aerifizieren oder Mulchen ebenfalls eine Verbesserung der Standortbedingungen.

​Trocken, feucht oder nass – der Wasserhaushalt des Bodens

​Die Mengenanteile von Sand, Schluff und Ton im Boden spielen eine wichtige Rolle für das Rasenwachstum, denn die Korngrößenverteilung bestimmt neben der Durchlüftung auch die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen. Sandige Böden können zwar viel Wasser aufnehmen, sie leiten das Sickerwasser jedoch auch schnell in den Untergrund weiter; bei stark tonigen Bodenverhältnissen ist die Speicherfähigkeit für Wasser deutlich höher, allerdings bieten die feinen Poren den Wurzeln einen wesentlich geringeren Luftraum.

Ein idealer Standort weist eine ausgewogene Mischung aus Sand, Schluff, Kompost und Humus sowie einen niedrigen Tonanteil auf; die Struktur ist krümelig und nährstoffreich, der pH-Wert liegt bei 6-7. Dadurch kann sich ein reichhaltiges Bodenleben mit Mikroorganismen ausbilden und die Nährstoffe bzw. Spurenelemente sind für die Pflanzenwurzeln verfügbar.

​Stark lehm- und tonhaltige Schichten im Untergrund wirken als Wasserstauer, sodass sich bei Niederschlägen das Porenvolumen mit Sickerwasser füllt und die Bodenluft verdrängt; durch die unzureichende Luftversorgung sterben die Wurzeln ab und die Pflanzen verkümmern. Staunässe entwickelt sich durch anfallendes Sickerwasser auf Tonböden oder bei einem geringen Flurabstand zwischen Erdoberfläche und Grundwasserspiegel, wie es z. B. in Auenbereichen häufig der Fall ist. Typische Anzeichen für feuchte bis nasse Böden sind ein sehr langsames Abtrocknen im Frühjahr, eine verstärkte Moosbildung und das Auftreten von Sauergräsern. Als wirksame Gegenmaßnahmen können folgende Arbeiten durchgeführt werden:

Die Sonneneinstrahlung – der Motor für das Wachstum

Neben den beiden Wachstumsfaktoren Nährstoffe und Wasser hat das Licht einen entscheidenden Einfluss auf das Wachstum, die Entwicklung und die Regeneration einer Rasenfläche; ohne eine ausreichende Sonneneinstrahlung ist kein Stoffaufbau in den Pflanzen durch Fotosynthese möglich. Für das Wuchsverhalten der Rasengräser sind dabei die Dauer (Quantität) und die Tageszeit (Qualität) des Lichteinfalls wichtig.

Ein idealer Standort erhält am Vormittag viel Sonne und liegt nachmittags im Halbschatten, wobei die Ursache des Schattenwurfs (z. B. Hecken, Bäume, Gebäude) für das Lichtspektrum eine zusätzliche Rolle spielt. Die Intensität der Sonneneinstrahlung wird auch durch die Exposition beeinflusst, da nach Süden ausgerichtete Lagen deutlich mehr Sonne erhalten als Nordhänge.

Die Messung des Lichteinfalls kann mit einem einfachen Lichtmessgerät aus dem Fotofachhandel erfolgen, wobei die Messwerte in Lux (lx) angegeben werden. An einem vollsonnigen Frühlingstag z. B. erreicht die Lichtintensität in Süddeutschland ungefähr 11.000 Lux, im Sommer sind die Werte entsprechend höher. In einem Bereich von 20.000-30.000 Lux ist bei mitteleuropäischen Rasengräsern der Lichtsättigungspunkt erreicht, ab dem die zugeführte Energiemenge nicht mehr in zusätzliches Pflanzenwachstum umgesetzt wird.

Ein Lichtwert von 1.000-2.000 Lux markiert den Lichtkompensationspunkt, bei dem sich Pflanzenaufbau und -abbau die Waage halten; noch weniger Lichteinstrahlung führt zu physiologischen Stoffwechselstörungen und zum ständigen Stoffabbau. Für einen guten Wuchs sollten Rasengräser mindestens 60 % der standortspezifisch möglich Lichtenergiemenge erhalten; die Auswirkungen von Lichtmangel zeigt die folgende Aufstellung:

  • Sinkender Chlorophyllgehalt
  • Geringere Grünintensität
  • Kleinere, dünnere Blätter
  • Geringere Narbendichte
  • Keine Regeneration
  • Ständiger Stoffabbau
  • Absterben der Pflanzen

Rasenflächen weisen oftmals eine inhomogene Verteilung von Licht- und Schattenbereichen auf. Zur Verbesserung des Lichteinfalls können Hecken zurückgeschnitten und Bäume ausgelichtet werden; wenn der Schattenwurf durch Gebäude erfolgt, ist die Aus- bzw. Nachsaat von schattenverträglichen Gräsern zu empfehlen. Als besonders tolerant gegenüber Schatten haben sich die folgenden Grasarten erwiesen:

  • Lägerrispe
  • Hainrispe
  • Gewöhnliches Rispengras
  • Trügerischer Rotschwingel
  • Deutsches Weidelgras
  • Rotes Straußgras

Die beste Eignung für Schattenbereiche weist die Lägerrispe auf, die erst bei Lichtstärken unter 250 Lux das Wachstum einstellt. Schattenrasen haben jedoch den Nachteil, dass sie gegenüber Belastungen deutlich empfindlicher sind als normaler Rasen; außerdem sollte die Schnitthöhe 5 cm nicht unterschreiten, um den Rasenpflanzen eine möglichst große Fotosynthesefläche zu erhalten.

​Der Rasen am Hang – eine Herausforderung für Mensch und Maschine

​Bei der Neuanlage einer Rasenfläche sollte der vorgesehene Bereich möglichst eben sein, denn bereits ab einer Hangneigung von 1 % setzt die Bodenerosion durch Niederschläge ein. Am anfälligsten für eine flächenhafte Erosion sind Böden mit einem hohen Schluffanteil, andererseits stellt ein sandig-schluffiger Boden auch den besten Standort für Rasen dar.

Besonders bei der ersten Aussaat ist deshalb darauf zu achten, dass die Samenkörner durch das Einwalzen einen guten Bodenschluss erhalten; damit kann der Rasensamen bei der Bewässerung oder bei Regen nicht so leicht weggespült werden. Bei zunehmender Hangneigung steigt die Abtragungsrate deutlich an; zusätzlich erhöht sich der Kraftaufwand bei der Bearbeitung mit Maschinen (z. B. Rasenmäher, Bodenwalze, Vertikutierer), da diese auf steilen Hängen schneller abrutschen und nur bis maximal 20 % Hangneigung effektiv eingesetzt werden können.

​Eine Alternative zur Aussaat ist das Verlegen von Rollrasen; gleichzeitig wird durch die fertige Grasnarbe eine Bodenerosion verhindert. Eine wesentliche Erleichterung beim Mähen bringt der Einsatz von Mährobotern, die in den verschiedensten Ausführungen im Fachhandel angeboten werden; spezielle Geräte können auch Steigungen von 25-50 % bewältigen. Eine andere Möglichkeit zur Hangbegrünung stellt die Umwandlung der Rasenfläche in eine Blumenwiese dar; die dazu notwendigen Schritte zeigt die nachfolgende Aufstellung:

Die Vorteile einer Blumenwiese gegenüber einer Rasenfläche sind der geringe Pflegeaufwand, eine höhere Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sowie die Schaffung eines attraktiven Gartenbereiches; außerdem dient die Fläche dann auch als Weide – für die Bienen.

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